Jaja, aus Fehlern wird man klug…

Es ist ja kein Märchen, dass man beim Erlernen neuer Sachen keine Perfektion an den Tag legen kann, solange man die Grundbegriffe noch nicht beherrscht. Trotzdem schleicht sich der fiese Perfektionismus immer wieder gerne mitten in den Lernprozess und verlang an den unmöglichsten Stellen ein höher, schneller und weiter von uns, ohne Rücksicht darauf, dass man eben nicht wie in Limitless nach 4 Tagen schon Klavierspielen kann. Aber letztendlich ist es ja auch so, dass wir es meist nicht anders mitbekommen haben, denn was wird denn in der Schule oder auch anderswo belohnt: schnelles Adaptieren von vorgegebenen Vorgängen, am besten die perfekte Sofortkopie. Am besten das „mach doch mal schnell “ …(irgendwas, das man zum ersten oder zweiten Mal macht, aber irgendjemand anders in der Gruppe etabliert hat)…

Nun ist es aber auch wissenschaftlich verbrieft, dass Fehler nicht nur zum Lernprozess dazugehören, sondern innerhalb dieses essentiell sind, Es ist nur eine Frage dessen, wie man damit umgeht. Fehler zu machen und dann noch einmal die gleichen ist nicht zielführend,aber sich an bereits gemachte Fehler erinnern und die Lösungsstrategie entsprechend anpassen funktioniert tatsächlich. Es dauert anfangs etwas länger, spart aber später Zeit, wenn man genug gelernt hat. Schade nur, dass es damit in unserer Gesellschaft nicht weit her ist, die ja, siehe oben, gern Sofortperfektionismus praktiziert. Kein Wunder, dass dann Ergebnisse oder überhaupt Protokolle validiert werden können, egal was der zitierte Artikel hochtrabend von Wissenschaftlern behauptet.

Sehr geehrte/r …

Im letzen Artikel hatte ich mich unter anderem mit Schnelligkeit beschäftigt. In diesem Zusammenhang: Wieso eigentlich dauert es gewöhnlich so lange, bis man Antworten auf Bewerbungen bekommt? Also zumindest hier, denn im nicht deutsch sprechenden Sprachraum habe ich bisher völlig andere Erfahrungen gemacht (einmal in Rekordzeit von 2h von jenseits des Atlantik)? Liegt es an der deutschen Behäbigkeit und kleinteiligen Bürokratie, dass man Wochen und Monate warten muss, bis die kurze Absage oder längere Zusage kommt? Auf Nachfrage bekam ich einmal die Aussage, man dürfe sich erst melden, wenn der komplette Bewerbungsprozess abgeschlossen sei, selbst wenn die eigene Bewerbung nicht einmal bis in die zweite Runde gekommen ist.

Ehrlich: Ich finde das unakzeptabel. Was bricht sich denn der Personaler bei der Durchsicht von Bewerbungen einen Zacken aus der Krone, wenn er Bewerbern, die eh nicht weiterkommen gleich nach Aussortierung eine Mail schickt? Ob er nun sagen wir 20 Mailadressen einpflegt und in 3 Monaten 5 solche Emails wegschickt oder sich am Schluss nochmal ALLE Adressen raussuchen muss um dann eine Mail zu schicken macht sicher nicht mehr Arbeit, eher weniger. Und der Zettelkram auf dem Schreibtisch wird auch kleiner, damit weniger Stress für den Personaler und für den Bewerber. Leider ist das nicht so und reinweg hat man den Eindruck, es ginge nur um Machtspielchen von Firmen, um eine Attitüde, die noch aus den Zeiten von Großindustriellen stammt.

In einer dieser Zeitungen, die ich normalerweise nicht lese stand als Überschrift „Gute-Arbeitgeber-lassen-Bewerber-nicht-warten“ Das würde grauenhafterweise bedeuten, dass es im hiesigen Raum fast ausschließlich schlechte Arbeitegeber gibt, was ja so auch wieder nicht stimmt. Das aber zumindest das Image dieser Firmen unter dieser Politik leitet, ist in Östereich schon angekommen. Und immerhin regt sich auch in Deutschland öffentlich Kritik an den umständlichen Jobportalen und der unterirdischen Kommunikation vieler Firmen.

Das gruselige zum Schluss: So viele (aktuelle) Artikel findet man zu dem Thema nicht, obwohl es alle Bewerber nervt und sich doch jeder in dieser Situation findet. Alle meine Bekannten halten diese Politik von Firmen für den Normalfall und jede schnelle Rückmeldung für ungeheuren Luxus und bedienen damit Hierarchiemodelle, die längst ausgedient haben sollten.

Streiks, die keiner braucht?

Gibt es Streiks, die niemanden etwas jucken? Als die Bahn wieder streikte und wieder streikte und wieder streikte stieg auch die Unzufriedenheit und die Agressivität selbst bei Menschen, die davon nicht direkt betroffen waren, denn schließlich wurde es noch voller auf den Straßen. Die Bahn streikt also und es tut so richtig weh. Als die Kitas streikten gab es zwar lustige kurzfristige innerbetriebliche Lösungen, nach einigen Tagen aber machte sich auch hier Genervtheit breit, schließlich wollen Eltern ja eine Kinderbetreuung, die sie arbeiten läßt. Dann streiken immernoch einige Geldtransportunternehmen. Fällt das auf? Ja, denn inzwischen ist es selbstverständich, sich sein Geld an Automaten zu ziehen und nicht am Schalter zu holen. Keine Transporter, keine funktionierenden Automaten.

Vor einiger Zeit streikten andernorts alle prekär Beschäftigten verschiedener Musikhochschulen. Es gab ein Presseecho, aber juckt das die allgemeine Bevölkerung? Desgleichen streikten die Angestellten der Musikschulen und hat es jemanden interessiert? Kaum, denn Kunst darf es in Deutschland nur zu möglichst billigen Preisen geben, Musiker werden trotz der harten und jahrzehntelangen Ausbildung unverschämt stiefmütterlich behandelt. Kunst und Kultur interessiert keinen, obwohl klar ist, dass musisch geförderte Kinder sich besser konzentrieren, besser sozialisiert werden und allgemein einen besseren Start bekommen. Das dumme: der Effekt ist nicht unmittelbar und gerade Jugendliche sind den meisten Erwachsenen doch total egal. Kultur ist egal. Und das, obwohl sie jeder, selbst der letzte chipsfressende Fernsehjunkie konsumiert.

Wie aber sieht es mit den „wichtigen“ Wissenschaften aus? Vor einiger Zeit hatte ich eine Diskussion mit einigen Forschern aus dem bereich der Medizin. Da machen sie also seit Jahren Fortschritte in der Erforschung molekulargenetisch bedingter Krankheiten, entwickeln neue Therapien und Medikamente und sind mit einem Wort: essentiell. Und auch das entsteht alles in prekären Arbeitsverhältnissen. Nebenbei wird noch Lehre und Studentenbetreuung an den Universitäten durchgeführt (wie bei den Musikern gerne ohne dafür bezahlt zu werden) und das Wissenschaftszeitgesetz hängt über allen wie ein Damoklesschwert. Ihre Arbeit ist vielleicht nicht unmittelbar umsetzbar, denn ein langer Weg trennt Gundlagenforschung von der Klinik, trotzdem aber wichtig und auch jedem vermittelbar, denn welcher Kettenraucher will schon an Lungenkrebs verrecken, wenn er nicht muss?

Fragte ich aber meine Bekannten, war die einhellige Meinung: Würden wir streiken, dann interessiert es niemanden. Wahrscheinlich nicht einmal die eigenen Institute, denn nur zu bereitwillig übernehmen gut ausgebildete Pipettiertierchen aus anderen Kontinenten die Aufgaben. Es ist niederschmetternd, so etwas zu hören, denn das läßt den gleichen Schluß zu, wie bei der Kultur: Wissenschaft ist egal. Wenn Wissenschaft egal ist, warum wollen dann aber so viele dort arbeiten? Warum ist dann der Kindertraum vieler so etwas wie: Krankheiten heilen, Welt verbessern, Menschen helfen? Dieser Widerspruch ist mir nicht verständlich. Würde es wirklich egal sein, wenn in Deutschland alle Postdocs, alle Doktoranden, alle Master- und Bacchelorstudenten, die in der Forschung arbeiten, streikten?