Archive for the 'Politik und Gesellschaft' Category

Loveparade-Panikforschung

Posted in Bio und Tech, Politik und Gesellschaft on Juli 27th, 2010 by xipulli

#Loveparade - Ich bin so schockiert. Hier mal ein Vergleich:

Ohne Zweifel! Zur Zeit überwiegen die Berichte über die gegenseitigen Schuldzuweisungen, oder schlimmer: Kommentare dummer Menschen, die nichts weiter können, als der Szene Partygedöns vorzuwerfen ohne zu wissen, was sie da sagen. Derweil mischt sich verständlicherweise in die Trauer um die Toten und Verletzten auch der Abgesang auf die Parade an sich. Zeit, sich trotzdem auch zumindest in Verlinkungen mit dem Forschungsgegenstand zu beschäftigen:
Immer wieder kommt es bei Massenveranstaltungen zu Paniken, die Haddsch ist ein früher regelmäßiges, nach vielen Verbesserungen nun nur noch extrem seltenes Bsp., wie Helbig oben sagt. das gleiche gilt für Stadien, Demonstrationen, die Ostermesse in Rom und so weiter. Letztlich geht es um die Zergliederung von Menschenmassen, die ab einer bestimmten Menge nunmal Schwarmverhalten aufweisen, in kleinere Gruppen bei begrenztem Platz und sonst maximalem zur Verfügung zu stellendem Platz für sich bewegende Massen. Denn Platzmangel führt zur Panik. Auch der Forscher Schreckenberg hat nicht nur zu Staus publiziert, sondern arbeitet maßgeblich auch an Projekten, die explizit auf das Führen von Fußgängerströmen ausgelegt sind. Man sollte ihm also trotz der hochkochenden Gefühle in den ersten Stunden nach den Ereignissen seine Kompetenz nicht absprechen, zumal er inzwischen darauf hinweist, dass in seinem Modell viele Faktoren nicht berücksichtigt wurden, weil keine Kenntnis vorlag und sich auch sonst nicht an vorliegende Pläne gehalten wurde. Seine bisherigen Studien zu Bewegungen an Flaschenhälsen waren daher nicht einmal ansatzwiese anwendbar. Soll das heißen, keine Schuld trifft den Forscher? die Frage wird zu klären sein, bis zu welchen Zeit und Organisationspunkt er in das Gesamtprojekt eingegliedert war, wann von wem entschieden wurde am falschen Ende zu sparen (Überwachung, Personal), wer alles für die Genehmigung am Tag der Parade zuständig war und wer wann die falschen Entscheidungen auf der Parade getroffen hat.

Gegen das Vergessen dokumentiert:Hate crimes

Posted in Politik und Gesellschaft on Juli 8th, 2010 by xipulli

Auch dieses Jahr war der CSD schön und bunt und ausgelassen. An den Tagen solcher Feierlichkeiten kommt kaum jemand auf die Idee, nachzufragen, warum man das eigentlich Jahr für Jahr macht. Für die Touristen der Stadt und sicher auch für die meisten Einheimischen ist es einfach nur ein exotischer Umzug, bei dem lustig (mehr oder weniger) angezogene Leute beiderlei Geschlechts sich mit einerlei Geschlecht zu möglichst lauter Musik vergnügen. Man vergisst so leicht, wie ernst das Anliegen ist, es sei denn man kommt an den versprengten Häuflein russischer und polnischer Teilnehmer vorbei, die sich nur außerhalb ihres Landes offen trauen können Flagge zu zeigen.
Ohne Frage, die Lage der Homo-, Bi-, Inter,- Sonstwiesexuellen hat sich über die Jahre sicher gebessert und man fragt sich, ob die folgenden Verlinkungen nicht nur dadurch zustande kommen, dass es eine erhöhte Aufmerksamkeit in der Gesellschaft gibt. Das eben die folgenden Dinge nicht mehr totgeschwiegen werden und “einfach nicht passiert sind”.

Wie bereits notiert haben sie ja in Uganda die Todesstrafe für Homosexualität eingeführt. Diese kann auch Leute aus dem Umfeld treffen sofern sie von der Homosexualität einer Person wissen und darüber schweigen. Kein Wunder, dass nun zur Hexenjagd geblasen wird und es die ersten grausigen Opfer gibt. Oder gibt es eine vernünftige erklärung, warum dieser junge Priester enthauptet und sein Kopf in einer Latrine gefunden wurde? Warum es in Rom immer aufs neue Angriffe auf Homosexuelle gibt und dann ausgerechnet in einer Tourigegend wie Trastevere? Warum in den USA homosexuelle Lehrer am unterrichten gehindert werden, aus Angst, sie könnten die Kinder anstecken? Warum die Jagd auf Homosexuelle im Irak unter den Augen des britischen und amerikanischen Sicherheitsapparates überhaupt passierne konnte?

Es sind Tropfen auf überheiße Steine, einen Artikel wie diesen zu lesen, wo ein homosexueller Cop einen Gay-Basher verhaftet oder diesen, in dem notiert wird, dass die intersexuelle Südafrikanerin wieder als Frau starten kann (wäre auch was zum Thema gendoping…das war ihnen diesmal vielleicht doch zu heiß, nachdem die Inderin aus dem letzten Jahr sich versucht hatte umzubringen)

BTW: Über die Proposition 8 und den Einfluß der Mormonen bei der Entscheidung gibt es jetzt einen Dokumentarfilm

Richtigstellung: Gerade erreicht mich die Nachricht, dass der in Uganda ermordete Priester keinesfalls schwul war. Ein geradezu ekliger Hoax, da er denjenigen in die Hände spielt, die behaupten, die Homosexuellen verbreiteten Lügen.

Artikel um die Präsidentenwahl

Posted in Politik und Gesellschaft on Juli 3rd, 2010 by xipulli

Wulff ist ins Amt gestolpert, wie die Zeit zusammenfasst. Ein ungeliebter Kandidat, der erst im dritten Wahlgang (dann doch) mit absoluter Mehrheit gewählt wurde. Die Linke hat bestätigt, dass sie nicht regierungsfähig ist, sondern schmollend das Feld verläßt, wenn es zu verlieren droht. Nur weil klar ist, dass der eigene Kandidat keine Mehrheit hat…dann hätten sie auch die Kandidatur aufrecht erhalten lassen und ihre Stimmen dorthin geben können. Nicht, dass es (in nackten Zahlen) etwas gebracht hätte, jedoch wäre dann nicht zusätzlich der Eindruck am Verrat der eigenen Kandidatin geblieben. Böse gesagt: Da waren die Rechten konsequenter und haben nach der Wahl diese gleich für ungültig erklärt.

Aber was drumherum geschrieben wurde ist nicht minder interessant:

Wir können uns fragen, ob der rhetorisch beachtlich stapfende Gauck am Ende wirklich der bessere Präsident geworden wäre, wenn er doch vieles in seiner Biographie auf eitle Selbstbeweihräucherung unter dem Deckmantel “Freiheit und Gerechtigkeit” hinweist. Ob Wulff mit seinen evangelikalen Verbindungen nicht auch ein kritisch zu sehen ist, wenn er eine christliche Verbindung vertritt, die offenbar einigermaßen rechte Ansichten vertritt. Und ganz nebenbei dürfen wir uns noch einmal fragen, warum Köhler eigentlich zurückgetreten ist? Hier und hier wird die Meinung vertreten, dass weitgehend andere Gründe im Spiel waren, als diese alberne Afghanistangeschichte.

Dinge verschwinden // nach historischen Vorbildern

Posted in Bio und Tech, Kunst und Kultur, Notizen, Politik und Gesellschaft on Mai 25th, 2010 by xipulli

Bis eben dachte ich es sei wahrscheinlich relativ einfach eine Geschichte um die links zu stricken, weil alle im großen und ganzen was mit Verschwinden zu tun haben. Ist es aber nicht. Da gibt es die paar  Dinge, die ein wenig mit dem nachtrauern nach der “guten alten Zeit” zu tun haben, in der Häuser noch schön waren, die Bildung noch klassisch, Uhren noch luxuriös und ein Wunder der Mechanik, Regenschirme nicht nur nützlich, sondern auch ein Symbol für Stimmung, Mode und Status. Gut, gut, die Seite mit den Regenschirmen ist aktuell, das bekommt man noch, auch Uhren, die mehr als Zeitanzeiger sind, wenn man auch für beides nicht wirklich wenig ausgeben wird. Für diese Fahrräder übrigens auch nicht.

Dann verschwindet manchmal beeindruckendes : einer von Jupiters Ringen ist weg, genauso, wie dieses Gaswerk (die Neu-Prenzlauer-Berger werden begrüßen, es nicht mehr erlebt zu haben, aber ob sie wissen, auf welchem Grund Ihr Kind da buddelt?).

Dann gibt es noch diese Seite, die sich mit Alzheimer und ersten Hinweisen darauf durch Sprachverarmung und das allmähliche Verschwinden des aktiven Wortschatzes beschäftigt. Offenbar konnte man es bei Agatha Christie zum Bsp. an den Worten ihrer Romane festmachen.

Also: Es gibt keine Geschichte dazu. Nur einen Haufen Schlagwörter.

Gekritzel

Posted in Bio und Tech, Politik und Gesellschaft on April 23rd, 2010 by xipulli

Gerade flatterte ein Artikel durch SPON, in dem eine Studie zitiert wird, die die Anzahl publizierter Artikel mit Positivbefunden bezüglich der gestellten These korelliert. Und es findet sich auch ein Zusammenhang:

“Across all disciplines, papers were more likely to support a tested hypothesis if their corresponding authors were working in states that, according to NSF data, produced more academic papers per capita. The size of this effect increased when controlling for state’s per capita R&D expenditure and for study characteristics that previous research showed to correlate with the frequency of positive results, including discipline and methodology. Although the confounding effect of institutions’ prestige could not be excluded (researchers in the more productive universities could be the most clever and successful in their experiments), these results support the hypothesis that competitive academic environments increase not only scientists’ productivity but also their bias.”

Aus der Praxis von mehreren Jahren Frustration wegen unpublizierter Daten aufgrund von Negativergebnissen heraus ist man geneigt, dem Glauben zu schenken. Einziger Minuspunkt: Auch diese Studie ist ein Positivbefund…

Update:
In China ist es offenbar schon seit Jahren Gang und Gebe, zu veröffentlichende Artikel (insbesondere, wenn sie englisch sein sollen) nicht selbst zu verfassen, sondern Ghostwritern zu übertragen. Ein Artikel dazu und wie das den Wissenschaftsbetrieb beeinflusst hier.

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