Scanner und Top Ausreden und Motivase im Februar

Ich habe eine neue Ausrede, warum dieses Blog immer um alle möglichen Themen kreist, ohne sich festzulegen*. Wahrscheinlich bin ich nicht etwa un()Lieblingsadjektiv bitte hier einfügen), sondern einfach ein Scanner. Jemand, den Barbara Sher, die diesen Persönlichkeitsbegriff geprägt hat als jemanden definiert, der sich für alles irgendwie interessiert, sich aber nicht entscheiden kann. Eine Einführung zum Begriff findet sich sowohl auf Shers Webseite, als auch im eigens eingerichteten Youtubekanal (siehe unten). Ich gebe zu, dass ich ein bisschen skeptisch bin, aber was Sher vorliest, klingt exakt nach meinem ersten Tag in der Uni.

In diesem Zusammenhang (sich nicht entscheiden zu können), habe ich mir mal den Spaß erlaubt eine Liste der Ausreden zu erstellen, warum ich bei bestimmten Vorhaben (was man eben so macht um Silvester herum) nicht so vorwärts komme, wie ich gerne möchte. Dann habe ich die mal mit einer Liste der faulen ausreden abgeglichen, die ich bei so´nem Coach** gefunden habe und wirklich erschreckende Übereinstimmungen festgestellt (also alle minus vielleicht zwei. Von top 7) . Ärgerlich, vor allem, wenn einem dann erzählt wird, das seien alles faule Ausreden. Aber was tun, wenn die eigene Motivation im Keller ist? Wo hol ich mir Motivase, die auch langanhaltend ist?

Ohne wirklich überrascht zu sein, wird man bei Youtube ziemlich schnell fündig. Auf dem Kanal  von Tom Bilyeu gibt es eine Menge Videos, die man bei nicht allzu konzentrationslastigen Arbeiten des Alltags hören kann und  bislang haben die sich (wahrscheinlich wegen der gepfefferten positiven Ansichten) als überaus hilfreich erwiesen, insbesondere die langen Interviews der Impact Theory Playlist, bei denen man durchaus Gesprächspartner mit merkwürdigen Ansichten zu Wort kommen lässt. Aber die Videos erfrischen und motivieren tatsächloch.

Woran es noch hakt, ist eine entsprechende Motivase und Hilfsmittel, wenn man sich mal wirklich tief konzentrieren muss. Stille funkitoniert, aber nur eben, wenn es still ist. Selbst diesen Beitrag schreibe ich mit Kopfhörern, obwohl um mich herum eine ruhige Umgebung ist. Einige Tage lang habe ich mit MyNoise herumexperimentiert und bin recht zufrieden damit gewesen. Allerdings haben bestimmte Geräusche auffällige Repetitionsschleifen, die, wenn man ein Ohr dafür hat, ziemlich auf die Nerven gehen. Und ganz ausschalten läßt sich der Lärm der Arbeitswelt eben auch nicht. Und motivierend ist eine erzeugte Geräuschskulisse leider auch nur begrenzt. Hier besteht also noch großer Optimierungsbedarf.

Trotzdem aber geht es in diesem Jahr eher vorwärts, als zurück, zumindest in den ersten Monaten des jungen 2018.

 

*Übereinstimmungen mit anderen Aspekten aus dem Leben des Autors basieren natürlich auf reinem Zufall
** Keine Werbung. Ich  war nur zu faul, die Liste noch einmal abzuschreiben um dann doch noch einmal darauf verlinken zu müssen… wegen der Quellenangabe. wisst schon.

Bad Science von Ben Goldacre

Ich hatte mich so auf dieses Buch gefreut, schließlich wurde es mir von vielen Seiten (im Netz) empfohlen. Soweit so gut gibt es in dem Buch auch einige wirklich interessante Aspekte zum Thema:

  • Wie kann man mit Statistik schummeln? Was ist Cherry-Picking?
  • Wie funktioniert voreingenommenes Randomisieren von Daten und warum tappen Wissenschaftler eigentlich immer in diese Falle?
  • Was ist der Plazeboeffekt und wie wirkt er sich auf alle Studien aus, die die Wirksamkeit von x,y,z beweisen wollen?

Damit einhergehend gibt es einige sehr große Kapitel zum Thema Homöopathie, Omega3, Antioxidanzien, Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen, also alles, was heute en vogue ist.

Das alles ist großartig beschrieben und fürchterlich zu lesen. Warum ist das so?

Einerseits weil sich durch das ganze Buch die Arroganz des Autors zieht, der mit der größten Selbstverständlichkeit darstellt, dass alle anderen ja überhaupt keine Ahnung haben. Nicht von unvoreingenommener Statistik (siehe Randomisierung und Cherry-Picking) oder gar vom Aufbau eines validierbaren Experiments und erst recht nicht von den psychologischen Aspekten medizinischer Behandlung.  Das liest sich nicht nur anstrengend, sondern ist auch anmaßend. Natürlich sind die beschriebenen Themen und Fakten korrekt, aber muss sich der Autor darstellen, als sei er allein derjenige, der das Spiel durchschaut hat?

Dabei unterschlägt er, dass Wissenschaftlern sehr wohl bewusst ist, was cherry-picking für Auswirkungen hat, dass sich aber, insbesondere wenn große Geldsummen hinter den Experimenten stehen der Druck positive Ergebnisse zu produzieren genau eben zu cherry-picking aller Arten führt. Der Schluss, dass sich seitens der Veröffentlichungspraxis insbesondere der hochgelobten britischen und amerikanischen Publisher etwas ändern muss wird natürlich nicht gezogen, stattdessen ist allein der Wissenschaftler selbst an seiner Misere schuld.

Genauso wird zwar gut recherchiert, dass bestimmte Bereiche, die einen hohen Plazeboeffekt zeigen dürften (Nahrungseränzungsmittel, Homöopathie) genau diesen eben zeigen, der Schluss wird aber nicht von ihm als praktizierendem Arzt gezogen, dass also allein eine Intensivierung von Arzt-Patientengesprächen bereits zu einer Verbesserung von manchen Symptomen führen könnte und dies eigentlich ein Umdenken in der Verfahrensweise ärztlicher Praxis nach sich ziehen sollte. Oder das allgemein intensivere Betreuung in Bildungseinrichtungen oder auch Gefängnissen (siehe Omega 3 Kapitel) zu einer Verbesserung sozialen Verhaltens und geistiger Leistungen führt. Dass eben der Mensch als soziales Tier funktioniert.

Deswegen war dieses Buch für mich in höchstem Maße ärgerlich, denn es fehlt dem Autor bei allen Wiederholungen wie dumm, unsinnig und unwissenschaftlich die Ergüsse anderer Leute sind an Mut, der Gesellschaft als solcher den Spiegel vorzuhalten, die das, was er als bad science definiert, erst herbeiführen konnte. Lieber in Einzelheiten meckern, als das große  Ganze betrachten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Schade, dass Bad Science dadurch zu einem Meckerbuch für Pseudointellektuelle wird, die sich nur besser als ihre dumme Umwelt fühlen wollen.

 

 

 

 

Cal Newport: Lernstrategien, Arbeitsphilosophien

Im Laufe frustrierender Arbeitsabläufe habe ich mich des öfteren gefragt, woran es eigentlich liegt, dass nichts vorwärts geht, wenn nichts vorwärts geht. Liegt es nun am Großraumbüro? Am Wetter? Am Tagesablauf? Eines der Bücher, die ich in den letzten Wochen zu dem Thema gelesen habe, ist Deep Work: Rules for Focused Success in a Distracted World von Cal Newport. Dazu gibt es ein Inverview auf youtube, das den Inhalt ziemlich gut zusammenfasst (s.u).

Darin beschreibt Newport unter anderem Regeln, die es einem erlauben sollen, sich Räume konentrierten Arbeitens zu schaffen um die Sachen voranzutreiben, die einem wichtig sind, ohne das man ständig unterbrochen wird. Oder besser gesagt, ohne dass man sich selbst ständig unterbricht. Wie auch Simon Sinek in seinem Buch „Why leaders eat last“ beschreibt, lassen wir uns nur allzu gern ablenken. Sind abhängig vom akustischen „brrr“, „zing“, „swoosch“ und visuellem Gezappel. Diese sind eng mit positiven Rückmeldungen für vermeindlich wichtige Dinge, meist aber eher unwichtigen Krempel (löschen von Werbeemails o.ä) besetzt. Ein bisschen Pawlov. Es ist daher wichtig, sich Freiräume zu schaffen, in denen man genau davon nicht behelligt wird. Das ist theoretisch jedem klar, aber wie macht man das praktisch?

Newport beschreibt in seinem Buch räumliche, zeitliche und sagen wir methodische Ansätze, wie man sich in einen Zustand konzentrierter Arbeit versetzen kann. Interessant daran ist, dass er häufig darauf verweist, dass unsere Konzentration begrenzt ist. Es ist nicht möglich, den ganzen Tag über mit gleichbleibender hoher Konzentration zu arbeiten. Daher fand ich das Konzept des loggens von „Tiefenarbeit“, von Stunden oder Minuten konzentrierter Arbeit für mich interessant, denn dadurch bekommt man genau die positive Rückmeldung, die einem sonst ein „swoosch“ gegeben hätte. Ein echter Augenöffner waren für mich apps, die quasi einer Browserkindersicherung gleichkommen: zu bestimmten Zeiten, wenn man arbeiten möchte, können bestimmte verführerische Websites, auf denen man sich sonst festliest, nicht aufgerufen werden. Natürlich kann man dazu sagen, „Ich brauche so etwas nicht, ich kann jederzeit aufhören zu lesen/kucken/…“… Ja und am Ende ist wieder der halbe Tag bei youtube verdaddelt und man fühlt sich ausgelaugt, wie nach einem Marathon.

Fazit: Gutes Buch, hilfreich.

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