Vorbeigeschneit: ein Artikel über Fans

Mir hat jemand einen sehr coolen Artikel über Fans  (und gendergender)verlinkt, den will ich an dieser Stelle mal einstellen. Nur soviel erstmal:

When women act according to stereotype, their behaviors get dismissed as feminine; when they act against stereotype, their behaviors get dismissed as aberrant or getreinscribed negatively as feminine nevertheless. In the case of overt sexual expression, for example, male desire for female stars is accepted as healthy virile sexuality, whereas female desire often gets redefined as overinvested and hysterical—a term that in its etymology, of course, already shows its genderedness.

und so weiter und so fort.

 

 

Anfang-Mitte-Schluß

Gerade treibe ich mich zur Quellenrecherche auf verschiedenen Seiten herum, nur um festzustellen, dass manche Leute wirklich merkwürdige Ideen haben, wie man Bücher zu lesen hat, um darüber schreiben zu können. Ja, einem Reich-Ranicki hat es vielleicht gereicht, nicht ein komplettes Buch zu lesen, um es rezensieren zu können, aber man sollte zugeben, er hat sich auch nicht mit wissenschaftlichen oder populärwissenschaftlichen Texten beschäftigt. Nun haben wir da also ein Buch (dazu in einem anderen Artikel mehr), der sich wie eine wissenschaftliche Arbeit liest, nur einen sehr populärwissenschaftlichen Titel trägt und ein entsprechendes Vorwort. Danach folgt, wie man es kennt: Einleitung, theoretische Grundlagen, Abwiegen von Für und Wider um auf leisen Sohlen zum eigentlich eigenen Standpunkt zu kommen und den in allen Punkten zu beleuchten.

Ein Rezensent eines solchen Buches sollte sich vielleicht nicht hinstellen, ein bischen am Anfang, in der Mitte und am Schluß blättern und dann behaupten, eine fundierte Meinung von sich geben zu können. Leider tun es manche doch und nun warte ich gespannt auf einen Aufschrei der Empörung. Aber als Beispiel (und oben steht ein wirklich, wirklich kurzer Text):  „Gerade treibe ich da also ein Buch und den in allen Punkten.“

Aus einem Marmeladenglas Literatur machen

James Wood ist Literaturkritiker und schreibt worüber? Die Kunst des Erzählens. Ja. Also, was man so verwendet hat und verwendet, um seine Figuren durch die Buchseiten tanzen zu lassen, ohne das der Leser die Hand des Autors mitbekommt. Oder gerade wie der Leser den Autor spürt, warum manche Kniffe bei einigen Autoren funktionieren und die gleichen Stilmittel bei anderen ganz schrecklich klingen. Wobei Wood zum Schluß des Buches insbesondere auf die Musikalität von Sprache eingeht. Das einige Autoren Ihre Texte laut lesen, um ihre Qualität zu prüfen. Warum schreibe ich das hier eigentlich? Weil das Buch auch für Leser interessant ist, für Leute, die nicht die Bohne daran interessiert sind, Literatur zu studieren, aber sich manchmal doch fragen, warum etwas beim lesen funktioniert oder nicht. Und das jeder Autor vor dem Problem steht, immer an der Grenze zur Konventionalität schreiben zu müssen, um originell zu sein, aber den Leser nicht zu überfordern. Also aus Marmeladengläsern Literatur machen.

Neulich hatte ich eine Diskussion, die manchen Gedanken, die im Buch vorgestellt werden ganz ähnlich war: Neue Musik klingt häufig scheiße. Selbst, wenn man sich wirklich dafür begeistern kann, geht es mir zumindest so, dass Effekte vielleicht ein oder zweimal funktionieren, aber dann nie wieder. Neue Musik will abseits des konventionellen sein, fällt aber schneller in Konventionen zurück und altbackenes das haben duzend andere genauso gemacht, als tatsächlich Teile gefälliger Popmusik. Warum ist das so, das selbst Techno zum Teil innovativer klingt, als Geräuschkulissen, die von hämmernden Schlägeln auf Streichinstrumenten stammen (an dieser Stelle viel Spaß beim youtuben. Die armen Instrumente). Wenn man die Kunst beherrscht aus etwas banalem einen überraschenden Effekt zu kreieren, hat man gewonnen. Siehe Marmeladengläser. Das gleiche trifft meiner Meinung nach auch auf Literatur zu.

Die Diskussion sei eröffnet.

signifikante Überschrift bitte einfügen: Hier

Hans Peter Roentgen schreibt. Und lektoriert. Und kennt sich aus. Mit diesen drei Sätzen angefangen liest sich Schreiben ist nichts für Feiglinge: Buchmarkt für Anfänger schonmal angenehm leicht, weil man zumindest für die Dauer des Buches die Verantwortung an der Titelseite abgeben kann und sich zu einer vergnüglichen Reise in die Welt ambitionierter Jungautoren macht. Was man eigentlich macht beim schreiben, wo man es lernen kann. Bislang war mir der Unterschied zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Schreibkultur (im professionell lernenendem Sinn) auch noch nicht so geläufig. Jetzt hat Roentgen neben allem nützlichen, was in diesem Buch steht noch eine kleine weitere Ausrede für die, die mit ihrer literarischen Idee schwanger gehen, aber trotzdem nichts anständiges aufs Papier bringen mit auf den Weg gegeben: Wir konnten es doch gar nicht so gut wie die anderen lernen. Nun, inzwischen kann man wohl. Davon abgesehen bietet der Band einen ersten Blick hinter die Kulissen. Worte wie Lektorat und Vertrag im Zusammenhang mit dem Verlagswesen werden ebenso vermittelt, wie Interviews mit „Betroffenen“ also Schriftstellern. Nach der Lektüre schaue ich auf mein Bücherregal mit anderen Augen und habe mir zum Beispiel geschworen, mehr Hardcover zu kaufen, wenn mir der Titel wirklich gefällt, denn davon bekommen Autoren gemeinhin mehr Prozente. Oder doch den Selbstverlegern beim großen Onlinehandel mit dem orangefarbenen Buchstaben eine größere Chance einzuräumen, nicht nur, weil einige davon später „richtige“ Verträge bekamen.

Verpackung und Inhalt

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster indem ich folgendes nicht mit spitzen Fingern man fasse und naserümpfend von mir weg halte: Warum sollte jemand die Hebammenbücher lesen? Sind das nicht die typischen Mittelalterromane für Frauen? Fünf Bände, die eine Kräuterfrau auf dem Weg ins und durchs Erwachsenenalter begleitet (13-Mitte vierzig). Eine Hauptperson und ein paar wichtige Nebenfiguren, die nichts unversucht lassen, sich gegenseitig das Leben zu verkürzen. Irgendwann fragt man sich schon, wie wahrscheinlich das eigentlich sein soll, dass die Charaktere die ganzen Misshandlungen, Verletzungen, Krankheiten überhaupt überleben. Außerdem unverzichtbar: Ein furchtbar kitschiges Cover und wie abzählbar alle paar Kapitel überflüssig intensiv geschriebene Liebesszenen. Ganz davon abgesehen gibt es einiges, das einem aufstößt, von Sprache bis Satz (Akkumulation von Frage und Ausrufezeichen) Warum also?

Die Autorin ist eine gründliche autodidaktische Historikerin, nachdem sie zunächst journalistisch tätig war und Lateinamerika- /Sprachwissenschaften studiert hat. Die Hebammenbücher sind in Aufzählung:ziemlich gut recherchiert *, mit gut verständlicher Zeittafel (und später Geschlechterstammbäumen), mit interessanten Nachbemerkungen zu Mittelalterfesten, historischen Fakten sowie Brauchtum und vor allem verdammt gut geschrieben. Das sind Romane, die sich sehr schnell weglesen und wenn man es drauf anlegt, ist man in einer Woche durch und möchte weiterlesen. Zugegeben: Es gibt nicht so viele lateinische Zitate, wie in Eco-Romanen und die Bücher sind nicht halb so volumninös. Sie sind aber nicht weniger unterhaltsam und bringen einem die Geschichte einer bestimmten Epoche nah genug, dass vieles eher hängen bleibt, als nach der Lektüre von Sachbüchern**.

*da die Romane in Freiberg, Weißenfels und Meißen spielen (mit Ausflügen in den nahen Osten) geht es hier also insbesondere um die Geschichte dieser Region im mitteldeutschen Raum.

** Zum Beispiel lese ich seit gut vier Monaten den neuesten Band von Christopher Clark zum ersten Weltkrieg. Um nicht zu sagen, gerade habe ich entnervt aufgegeben und fange wieder von vorne an.

Zusatz: Ich habe gestern gelernt, was es mit dem Cover auf sich hat. Offenbar MUSS das so sein, sagen die entsprechenden Verlage, weil man bei den entsprechenden Gengres einen optischen Wiedererkennungseffekt generieren muss. Trotzdem stöhnt mein ästhetisches Auge…