Werbung wozu…zwei Monate Konzerte und Ausstellungen

Posted in Kunst/Kultur, Notizen on März 30th, 2011 by xipulli

Dieser Eintrag ist längst überfällig, behandelt er doch Ausstellungen und anderes, die inzwischen (ich kann mich irren) wahrscheinlich längst nicht mehr laufen. Aber wann hat man schon Muße zeitnah über das zu schreiben, was einige Zeit Nachdenkens erfordert?

Die berliner Kultursituation ist wahrscheinlich die absurdeste,die es in Europa gibt. Vielleicht liegt es an der Mischung alteingesessener Strukturen des ehemals Westerbliner-Beamten-und-lebenslang-Angestellten-zu-Lasten der-Bundesregierung-Apparats (man macht sich keine Platte, die Leute strömen eben oder nicht, bezahlt wird es eh, denn das Geld fließt aus den Schwesterländern im goldenen Westen), dem Ostberliner-lebenslang-angestellten-die-Partei-hat-immer-recht-Denken (die Leute strömen, denn es gibt nichts anderes, außerdem sind die Karten billig, weil staatsgefördert) oder dem neuhippen-Zugezogenen-wir-haben-das-Recht-zum Geil-sein-Gehabe (Werbung wozu, ist doch retro, außerdem zahlt die Stadt, denn wir haben ein Recht darauf und außerdem ein Ipad). Fast alles interessante in den Monaten sagen wir Januar bis März war unglaublich schlecht beworben. Ich habe mir sagen lassen mit den berühmten einleitenden Worten “also in anderen Städten…” (aber recht hat man, das kann man nicht bestreiten); also in anderen Städten dieses Kontinents wäre es selbstverständlich, dass Veranstaltungen mit aussichtsreichem Programm oder Besetzung oder was auch immer einen qualitativ reizen mag, gut und demonstrativ beworben würden. Nein, in Berlin ist das nicht der Fall. Wer nicht gerade ein fleißiger Tagesspiegelleser ist (dessen Rezensionen seit Jahren zusammengekürzt werden: Werte Lektoren, langsam fällt das echt auf!) ist, der ist arm dran, denn die meisten Webpräsenzen sind schlecht und unübersichtlich, plakatiert wird vielleicht mal das eine, aber dafür fallen 10 andere weg. Woher also soll man wissen, als kulturinteressierter Bewohner, was man verpasst und was es gibt? Und da fragt man sich, warum die Opernhäuser und Museen über zu wenig Publikumsverkehr klagen….genug der Einleitung. Kommen wir zu dem, was so toll war und was man definitiv hätte besser bewerben müssen, denn es war einfach nur großartig:

1: Das Jahr begann mit der Idee verschiedene Ausstellungen zu besuchen, die sich vielleicht lohnen würden. Da gab es zum Beispiel diese Doppelausstellung im a Pergamonmuseum und dem Museum für Photographie (für Interessierte: Im Haus der Newtonfoundation) zu den Ausgrabungen von Oppenheim am Tell-Halaf . Während man sich in der gut beworbenen Ausstellung im Pergamonmuseum die Beine in den Bauch stehen konnte, um einen exklusiven Blick auf die großartigen Exponate zu werfen, war man in der begleitenenden Ausstellung im Photomuseum (Schwerpuntk Ausgrabung, Leben und Gesellschaft drumherum) allein mit ungewaschenen Herren, die eigentlich in die ständige Newtonausstellung wollten. Dabei lohnte es sich, beide Ausstellungen zu besuchen, schon allein, um die Exponate im den grabungstechnischen Kontext zu begreifen. Zugegeben, Oppenheim war ein Selbstdarsteller, aber seine Leistung, diese Grabung durchzuführen, die Funde gut zu dokumentieren in der allgemeinen Orientbegeisterung der Jahrhundertwende ein Museum auf die Beine zu stellen bleibt ungebrochen. Die Exponate im Pergamonmuseum sprechen für sich, der Stand der Zerstörung im zweiten Weltkrieg läßt einen noch 66 Jahre später die Zähne knirschen und den Wahnsinn der NS-Zeit verfluchen, man kann froh sein, dass es noch dieses Museum in Syrien gibt, dort steht die andere Hälfte der Funde-unversehrt. Interessant aber wird es noch mehr, wenn sich in der Photoausstellung nachvollziehen kann, unter welchen Bedingungen die Funde geborgen wurden, in welchem Zeitgeist die Forschung gehalten wurde (völlig ohne Zusammen hang: UND in welch ordentlichem Zustand die Protokollbücher waren. Heutige Wissenschaftler könnten sich massenweise Scheiben abschneiden). Zwei sehenswerte Ausstellungen, leider nur zu 50% gewürdigt. Viellleicht liegt es auch daran, dass das Haus der Newtonfoundation am Zoo liegt, es draußen nach menschlichen Aussscheidungen riecht und drinnen von dem letzen Abschaum an Museumsmitarbeitern wimmelt. Man fragt sich…aber es muss den Typus “festangestellter Wilmersdorfer ohne Kinderstube” geben.

2. “Berlins vergessene Mitte”. WOW. Die großartigste Ausstellung neben der Germania über die Berliner Stadtentwicklung seit Jahren und nirgendwo wird sie beworben? Kann nicht sein, aber so ist es. Dafür hängt Werbung für irgendein Massenevent, yeah Nachtijall….
Ich habe zwei Anläufe benötigt, um die Ausstellug zu bewältigen, weil man ständig zwischen Karten, Luftaufnahmen, Photographien und Zeitdokumenten hin und her rennt, um sich einen Überblick zu verschaffen. Wer hätte geahnt, dass diese Stadt mal eine Metropole mit sagen wir: einheimischem Grosstadtflair war? Wie konnte man besser die Verbrechen in Ostberlin beim (späten) Wiederaufbau des Stadtzentrums dokumentieren? Leider gibt der Katalog nicht so viel her, als dass man ihn nach Hause nehmen möchte, Photos von Photos darf man nicht machen, aber man hat relativ gesehen seine Ruhe. Nicht mal am vorletzten Wochenende ist wirklich viel los in der Ausstellung, schade eigentlich, denn die hat sich mehr als gelohnt, schließlich läuft man nun mit völlig anderen Augen durch die Stadt. Die Ausstellung schließt mit dem Ausblick auf die Neugestaltung des Stadtzentrums…man kann fast von Glück sagen, dass Berlin so pleite ist, dass sich auch der durchgewunkene Entwurf nicht wird realisieren lassen.

3. Jemand hatte zum Glück die FAZ-gelesen und mich angerufen und wir haben schell genug geschaltetet, um noch Karten zu bekommen…so begab es sich, dass wir gerade noch so in eine beeindruckende Aufführung von Tommaso Traettas “Antigona” gingen. Bejun Mehta ist als einer der Countertenore der “neuen Generation” in einer Technik versiert, die es ihm erlaubt, scheinbar mühelos in den höchsten Tönen zu singen und trotzdem dabei männlich und natürlich zu wirken. Sein Spiel mag vielleicht ein wenig steiff sein, aber wer stört sich daran, wenn er hören kann? Zum Vergnügen des Zuhörers waren auch alle anderen Rollen glänznend insbesondere Kurt Streit als stimmgewaltiger Kreon. Und weil man gerade so gut eingestimmt war auf gute Musik, musste es ein paar Tage später wieder in die Staatsoper gehen, diesmal zu René Jacobs Aufführung von Aci, Galatea e Polifemo von Händel. schade, dass diesmal niemand von den Zeitungen anwesennd zu sein schien, die Stunden, die man von einer Welle von Klang in den Sessel gedrückt wurde verflogen so schnell, dass man sich am Schluß verdutzt fragte: vorbei?- Was für ein Abend! Und dann kommt man einige Tage später auf die Idee, auch noch zu Andreas Scholl zu gehen…was soll man sagen: Das Kulturradio hat recht.
Also: so viele grandiose Konzerte innerhalb weniger Tage. Man rate, was beworben wurde? richtig, Andreas Scholl. Nicht ungerechtfertigt, doch schade gegenüber den anderen Aufführungen, die sicher mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

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Xi, Xa…und alles andere mit X

Posted in Naturwissenschaft/Technik on März 27th, 2011 by xipulli

An dieser Stelle nur eine kurze Quellennotiz, wenn man wissen will, wie es funktionieren kann, dass eines der beiden X-Chromosomen transkriptionell inaktiv ist. Nur nicht verwirren lassen, ein Artikel voller X.

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Yakov Kreizberg

Posted in Kunst/Kultur on März 15th, 2011 by xipulli

Es war vor sagen wir 12 Jahren, als ich entdeckte, dass Chorsingen manchmal viel größer ist als nur mit Kammerorchester. Wir sangen Mahlers zweite Sinfonie zusammen mit dem Ernst Senff Chor und dem Weltorchester Jeunesses Musicales, erst in einer Werfthalle in Wolgast, dann in Berlin. In Wolgast war es so kalt, dass wir die Mäntel während der Aufführung nur zum singen auszogen, und die Tür hinter der provisorischen Bühne funktionierte nur von innen, daher mussten wir 20 min auf die Solisten warten, ehe sich jemand erbarmte um sie einzulassen. In Berlin war die Philhamonie ausverkauft und ich sang zum ersten mal vor 2400 Menschen. Die erste Probe fand in einem (gemessen an der Menge an Chorsängern) winzigen Raum statt, mit Klavier und Dirigenten. Ich saß ich der dritten Reihe und war zum ersten Mal mit Yakov Kreizberg, einem echten “Orchesterdirigenten” konfrontiert, jemand, der erwartet unmittelbar einen Ton zu hören, wenn er die “Eins” gibt. Jemand, der mit einer bisher nicht erfahrenen Leidenschaft, Gelassenheit und Erfahrung dirigierte, kleinste Nuancen verstand zu vermitteln und wenn nötig, 40 Stimmen mit dem kleinen Finger dirigierte. In wenigen Proben verstand er es zu vermitteln, was er auf der Bühne sehen mochte und das zudem auf höchst symphatische Art und Weise. Beide Konzerte waren großartig, der Applaus für Chor, Orchester und nicht zuletzt den Dirigenten verdient, die Stimmung euphorisch und erhaben. Noch nach Jahren trage ich eine Reminiszenz dieser Abende, jedes Mal, wenn ich eine Bühne betrete um ein Konzert zu singen.

Yakov Kreizberg dirigierte über Jahre das Weltorchester Jeunesses Musicales, war bekannt in Berlin und Wien als außerordentlicher Musiker und Dirigent. Leider viel zu früh verstarb er heute nach langer Krankeit in Monaco.

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Konzerthinweis

Posted in Kunst/Kultur on März 3rd, 2011 by xipulli

Die Berliner Singakademie gibt am 10.04 um 20.00 ein kleines, feines Konzert im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Berlin mit dem Requiem op. 9 (Orgelfassung & Violoncello-Solo) von MAURICE DURUFLÉ (1902–1986) und der Messe D-Dur op. 86 (Orgelfassung) von ANTONÍN DVOŘÁK (1841–1904). Karten gibts ab 9 Euro.

Warum sich diese beiden Stücke lohnen anzuhören?
a) Orgel vs Orchesterfassung. Beide Stücke gibt es in verschiedenen Versionen, hier werden aber die ursprünglichen Fassungen dargeboten. Der Unterschied zu den bekannten Orchesterfassungen ist erstaunlich, da durch die minimale Instrumentierung eine wesentlich intimere Athmosphäre geschaffen werden kann und die Sänger mehr zur Geltung kommen.
b) Die Komponisten und ihr Werk. Von Dvorak hat man viel gehört, seine Chormusik ist aber durchaus nicht ständig zu hören. Von Duruflé gibt es insgesamt nur sehr wenige Stücke, dass diese zu Gehör gebracht werden ist ebenfalls ziemlich selten.
c) Die Stücke. Allgemeines kann man oben nachlesen, der Duruflé ist ein wenig an das Requiem von Fauré angelehnt und klingt dementsprechend sphärisch, während der Dvorak eher bodenstädig daherkommt. Allerdings beide in ihrer Art und Weise großartig zu hören
d) Der Chor. Die Berliner Singakademie ist einer der beiden letzten Laienchöre in Berlin, die aufgrund ihrer Qualität Förderung seitens des Senats erhalten. Zahlreiche Erwähnungen in Zeitungen und die Nachfrage des Chores zu Projekten verschieder Häuser in den letzten Jahren zeugen ebenfalls von der hohen Qualität, die gezeigt wird.

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Ha! Guttenberg tritt zurück

Posted in Politik/Gesellschaft on März 1st, 2011 by xipulli

wurde auch Zeit

so schön dazu: der alternativlos-podcast

Alternativlos 13

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