Bad Science von Ben Goldacre

Ich hatte mich so auf dieses Buch gefreut, schließlich wurde es mir von vielen Seiten (im Netz) empfohlen. Soweit so gut gibt es in dem Buch auch einige wirklich interessante Aspekte zum Thema:

  • Wie kann man mit Statistik schummeln? Was ist Cherry-Picking?
  • Wie funktioniert voreingenommenes Randomisieren von Daten und warum tappen Wissenschaftler eigentlich immer in diese Falle?
  • Was ist der Plazeboeffekt und wie wirkt er sich auf alle Studien aus, die die Wirksamkeit von x,y,z beweisen wollen?

Damit einhergehend gibt es einige sehr große Kapitel zum Thema Homöopathie, Omega3, Antioxidanzien, Nahrungsergänzungsmittel im Allgemeinen, also alles, was heute en vogue ist.

Das alles ist großartig beschrieben und fürchterlich zu lesen. Warum ist das so?

Einerseits weil sich durch das ganze Buch die Arroganz des Autors zieht, der mit der größten Selbstverständlichkeit darstellt, dass alle anderen ja überhaupt keine Ahnung haben. Nicht von unvoreingenommener Statistik (siehe Randomisierung und Cherry-Picking) oder gar vom Aufbau eines validierbaren Experiments und erst recht nicht von den psychologischen Aspekten medizinischer Behandlung.  Das liest sich nicht nur anstrengend, sondern ist auch anmaßend. Natürlich sind die beschriebenen Themen und Fakten korrekt, aber muss sich der Autor darstellen, als sei er allein derjenige, der das Spiel durchschaut hat?

Dabei unterschlägt er, dass Wissenschaftlern sehr wohl bewusst ist, was cherry-picking für Auswirkungen hat, dass sich aber, insbesondere wenn große Geldsummen hinter den Experimenten stehen der Druck positive Ergebnisse zu produzieren genau eben zu cherry-picking aller Arten führt. Der Schluss, dass sich seitens der Veröffentlichungspraxis insbesondere der hochgelobten britischen und amerikanischen Publisher etwas ändern muss wird natürlich nicht gezogen, stattdessen ist allein der Wissenschaftler selbst an seiner Misere schuld.

Genauso wird zwar gut recherchiert, dass bestimmte Bereiche, die einen hohen Plazeboeffekt zeigen dürften (Nahrungseränzungsmittel, Homöopathie) genau diesen eben zeigen, der Schluss wird aber nicht von ihm als praktizierendem Arzt gezogen, dass also allein eine Intensivierung von Arzt-Patientengesprächen bereits zu einer Verbesserung von manchen Symptomen führen könnte und dies eigentlich ein Umdenken in der Verfahrensweise ärztlicher Praxis nach sich ziehen sollte. Oder das allgemein intensivere Betreuung in Bildungseinrichtungen oder auch Gefängnissen (siehe Omega 3 Kapitel) zu einer Verbesserung sozialen Verhaltens und geistiger Leistungen führt. Dass eben der Mensch als soziales Tier funktioniert.

Deswegen war dieses Buch für mich in höchstem Maße ärgerlich, denn es fehlt dem Autor bei allen Wiederholungen wie dumm, unsinnig und unwissenschaftlich die Ergüsse anderer Leute sind an Mut, der Gesellschaft als solcher den Spiegel vorzuhalten, die das, was er als bad science definiert, erst herbeiführen konnte. Lieber in Einzelheiten meckern, als das große  Ganze betrachten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Schade, dass Bad Science dadurch zu einem Meckerbuch für Pseudointellektuelle wird, die sich nur besser als ihre dumme Umwelt fühlen wollen.

 

 

 

 

Helikopterleben

Der Mensch kreist um sich selbst und ich bin da nicht anders.

In den letzten Monaten habe ich viel über Lernstrategien gelesen und auch das eine oder andere dazu geschrieben. Der Grundgedanke, der jede dieser Strategien durchzieht ist: Tue eines nach dem anderen und so wenig wie möglich gleichzeitig. Dieser Gedanke widerspricht allem, was uns die heutige Zeit scheinbar vorlebt, denn alles passiert gleichzeitig und möchte, nein sollte! von uns wahrgenommen werden, goutiert, verdaut und wieder ausgespuckt.

Woran ich das derzeit festmache ist die Menge an Leseproben, die auf meinem Lesegerät schlummern und zu denen ich nicht die Zeit finde, sie zu lesen. Wie kann man sich auf eine Sache konzentrieren, wenn man alles interessant findet?

Es gibt keine befriedigende Antwort auf diese Frage, denn das hieße loszulassen von dem, was einem zwar lieb ist, das aber eben immer wieder aus dem Fokus ist, weil es keine Priorität hat. Nicht jeder ist ein Neal Stephenson, der seine Prioritäten so klar formulieren kann (verlinkt auf  seiner Kontaktseite ). Der Weg dahin ist länger als gedacht und wie an anderer Stelle geschrieben, bewegt man sich in Zyklen darauf zu.