Anglizismen in der Biowissenschaft

Das leider nicht ganz online zu lesende Gespräch mit Herrn Hoberg (letzte FAS) hat mich wieder auf ein Thema gestoßen, dass ich irgendwann schonmal im Affekt einer Grübelei über dem langen Text der noch fertig zu machen ist dazu verleitete, einen Artikel unter dem oben genannten Titel anzulegen. Anglizismen in der Biowissenschaft. Nachtijall, ick hör Dir trapsen, welche Studenten haben sich nicht neben mir die Zähne daran ausgebissen, „Laborjargon“ in ordentliches Deutsch zu übersetzen. Leider mit nur mäßigem Erfolg. Ich stimme Herrn Hoberg und meinem sprachlichen Korrektor insofern zu, als dass man als Wissenschaftler fähig sein sollte, einen Forschungsgegenstand in der eigenen Muttersprache zu erklären denn eigentlich kann man nur dann davon ausgehen, dass derjenige es auch wirklich verstanden hat. Die Ausrede, dass dieses oder jenes Ding, das man sich angeeignet hat eben nur auf englisch verfügbar war ist bei vielen nur eine Ausrede: Auf Englisch hört es sich eben meist viel attraktiver an, Fakten aufzuzählen. Wehe dem nur, der es wagt nachzufragen und bittet, in größere Zusammenhänge einzuordnen,da fehlen oft plötzlich die Begriffe (und eigentlich auch die Gedanken, ergo das Wissen). Also ja, auch wenn es schwerfällt und einem den letzten Nerv raubt, man sollte in der Lage sein, englische Fachbegriffe in den meisten Fällen durch deutsche (resp. andere Muttersprache) zu ersetzen. Das fällt auch ziemlich leicht, solange es entsprechende Übersetzungen gibt (ganz einfaches Bsp: DNA/RNA-DNS/RNS) oder man glycerol Glycerin schreiben kann. Aber was mach ich denn mit Worten, die im Englischen erfunden wurden? Der griffige Unterschied zwischen Knockdown und Knockout zum Bsp. ist ja, dass nicht nur die Unterscheidung von transienter zu konstitutiver Hemmung von Genen (Expression/Translation ect.) damit gemeint ist, sondern meist auch eine völlig unterschiedliche Methode. Knockdown: siRNA-vermittelt, konstitutiv- in einem Vektor und in die Zellen transfiziert oder sonstwie fürs transiente (vorübergehende) Hemmen. Knockout: geht auch über Vektoren. AAABER viel lieber wird, zumindest in niederen Organismen mittels Knockoutkassette oder gezielter Mutation an der entsprechenden Stelle das komplette Gen ausgehebelt und unbrauchbar gemacht. Nun schreib das mal genauso kurz wie Knockdown oder Knockout. Auch Scaffold proteine beschreiben etwas anderes, als Gerüstproteine/Hüllproteine, da es eigentlich um beides geht: Gerüst geben, um alle beteiligten Moleküle (zum Bsp die Elemente einer Signalkaskade) in räumliche Nähe zueinander zu bringen. Aber auch Hülle, da die Proteine eine Schutzfunktion ausüben. Griffiger bleibt das englische als Begriff, weil es beide Bedeutungen vereinen kann. Ich wäre jedenfalls nicht abgeneigt, bestimmte Begriffe ihrer herablassenden Bezeichnung als „Jargon“ zu entledigen und gleichberechtigt in die wissenschaftliche Sprache auch im Deutschen zu übernehmen. Weiter Beispiele herzlich willkommen.

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