Loveparade-Panikforschung
Ohne Zweifel! Zur Zeit überwiegen die Berichte über die gegenseitigen Schuldzuweisungen, oder schlimmer: Kommentare dummer Menschen, die nichts weiter können, als der Szene Partygedöns vorzuwerfen ohne zu wissen, was sie da sagen. Derweil mischt sich verständlicherweise in die Trauer um die Toten und Verletzten auch der Abgesang auf die Parade an sich. Zeit, sich trotzdem auch zumindest in Verlinkungen mit dem Forschungsgegenstand zu beschäftigen:
Immer wieder kommt es bei Massenveranstaltungen zu Paniken, die Haddsch ist ein früher regelmäßiges, nach vielen Verbesserungen nun nur noch extrem seltenes Bsp., wie Helbig oben sagt. das gleiche gilt für Stadien, Demonstrationen, die Ostermesse in Rom und so weiter. Letztlich geht es um die Zergliederung von Menschenmassen, die ab einer bestimmten Menge nunmal Schwarmverhalten aufweisen, in kleinere Gruppen bei begrenztem Platz und sonst maximalem zur Verfügung zu stellendem Platz für sich bewegende Massen. Denn Platzmangel führt zur Panik. Auch der Forscher Schreckenberg hat nicht nur zu Staus publiziert, sondern arbeitet maßgeblich auch an Projekten, die explizit auf das Führen von Fußgängerströmen ausgelegt sind. Man sollte ihm also trotz der hochkochenden Gefühle in den ersten Stunden nach den Ereignissen seine Kompetenz nicht absprechen, zumal er inzwischen darauf hinweist, dass in seinem Modell viele Faktoren nicht berücksichtigt wurden, weil keine Kenntnis vorlag und sich auch sonst nicht an vorliegende Pläne gehalten wurde. Seine bisherigen Studien zu Bewegungen an Flaschenhälsen waren daher nicht einmal ansatzwiese anwendbar. Soll das heißen, keine Schuld trifft den Forscher? die Frage wird zu klären sein, bis zu welchen Zeit und Organisationspunkt er in das Gesamtprojekt eingegliedert war, wann von wem entschieden wurde am falschen Ende zu sparen (Überwachung, Personal), wer alles für die Genehmigung am Tag der Parade zuständig war und wer wann die falschen Entscheidungen auf der Parade getroffen hat.


