nächstes Jahr

Ja, manchmal hat der Don nicht unrecht, wenn er auf die Stadt schimpft. Nichts ist geblieben von den großen Plänen. Statt dessen lümmelt sich zugezogenes Gesochs auf den „in“-Straßen, weil es ja so schön ist, aus dem westphälischen Provinznest in die große Stadt zu kommen und sich endlich nicht um soziale Kompetenzen kümmern zu müssen. Jeden Abend Party, nachbarschaftliches Rumbrüllen, vollgesiffte Hausflure und Straßen (denn sauber macht ja die der Hauswart für umme wa, wie Mama zu Hause) sind ja auch ein Muss nach dem provinziellen elterlichen Korsett und das muss der arbeitende Mensch nebenan dann auch begreifen, schließlich geht es um die Entfaltung der Persönlichkeit. Vielleicht schafft man es ja in gemeinschaftlicher Anstrengung mit den anderen Kindern der Pampa und der genervte Nachbar zieht weg, denn auch die Miete wird dank gestiegener Nebenkosten zu teuer und endlich ist man dann auch in den einschlägigen Vierteln  unter sich, Gentrifizierung sei Dank. Kommt Ihr auch irgendwann mal an und benehmt Euch eben nicht wie 14Jährige, wenn die Eltern mal weg sind, sondern wie ernstzunehmende Menschen?

Leider kann man das Problem so einfach nicht abwälzen, denn auch der gemeine Berliner geht unglaublich verächtlich mit seiner Stadt um. Am Bsp. des Hundeproblems kann man das seit 18Filzlatsch beobachten. Jeden Tag kann man es in der U-Bahn sehen und nein, die Verachtung, die mutwillige Zerstörung des öffentlichen Raums betrifft eben nicht nur das Klientel der sommerlichen Tiergartenbesetzer, wenn auch diese im auffälligen Maße. Ubahnhöfliches Rumgerotze (wenn es denn dabei bleibt) und -gepöbel aller Orten ist keine Seltenheit und man fragt sich schon, warum, schließlich liegt ja auch kein Kind gerne in den eigenen dreckigen Windeln. Ist das nur, weil Ihr denkt „auf uns nimmt ja auch keiner Rücksicht!“ , wie ich es neulich aus einer Berliner Schnauze hörte oder seht Ihr das einfach nicht? Irgendjemand muss auch mal anfangen mit der Rücksichtnahme und wenn Ihr zum 10ten Mal Kacke vom dem Spielplatz im Mund Eures Kindes seht, solltet Ihr eben was dagegen tun,  nicht?

Ein drittes ist sicher ein strukturelles Problem, das mit dem Anfangen von Dingen einhergeht, ohne sie konsequent zu Ende zu denken oder zu Ende zu führen. Es ist nicht zu verstehen, warum z.Bsp. das Ordnungsamt, das seit Tagen im Viertel auf und abflaniert, sich neben Bußgeldbescheiden wegen falsch-Parkens in der Parkraumzone (5 Euro) nicht um andere Dinge kümmern kann (Hundekot z.Bsp. 90 Euro).  Es KÖNNTE richtig Geld verdienen, macht es aber nicht. Allgemein scheint es zu heißen, der Wirtschaft ginge es wieder besser, trotzdem gibt es z.Bsp. in meiner gemeinhin als boomend bezeichneten Branche in dieser Stadt mit drei Universitäten, fünf einschlägigen Forschungsinstituten und zahlreichen Firmen (ergo ca 500 potenziellen Arbeitgebern) genau eine ausgeschriebene Postdocstelle. Ob das damit zusammenhängt, dass Gelder absurd hin und hergeschaufelt werden? Wie sonst ist zu erklären, dass DAS größte europäische Klinikum es nicht einmal versucht, seine Mitarbeiter zu halten (vorletzter Absatz), sondern ihnen stattdessen Steine in den Weg legt, wo es nur geht, obwohl dieses Klinikum zum Teil Dinge tut, die es nirgends sonst gibt? trotz hervorragender Voraussetzungen werden hier Institutionen kaputtgewirtschaftet, das man gar nicht weiß, wo anzufangen mit den Anklagen (von S-Bahn und BVG nicht zu sprechen, die bereiten ja schon das nächste Winterchaos vor, nachdem man immernoch nicht das vom letzten Jahr in den Griff bekommen hat).

Jaja, man kann woanders hingehen. Aber vielleicht will man das nicht, denn die Stadt hat eben auch dieses andere Gesicht, in der sofort 20 Leute auf die Straße springen und Hilfe holen, wenn ein Radfahrer mal wieder von einem Typen touchiert wurde, der nicht abbiegen kann. Wo der Penner in der Bahn manchmal auch nicht stinkt sondern Touristen den genauen Weg in fließendem korrekten Englisch weist. Und in der man manchmal zum Mai nicht nur Krawalle sieht, sondern auch so etwas. Und ja, auch eine Stadt, in der man sich sicher mit einem anderen Budget entfalten kann als in anderen Städten.

Nächstes Jahr sind Wahlen, vielleicht sollte sich der Berliner schonmal darauf einstimmen zu formulieren, was er eigentlich will und es dann auch durchsetzen.

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