Ein großer Tag für Ägypten

Manchmal dreht sich das Rad der Geschichte so schnell, dass man nicht eher zum schreiben kommt, dass der große Knall passiert, auch weil man nicht sicher ist in den kommenden Minuten wieder überrollt zu werden: Mit dem heutigen Tag ist Husni Mubarak nicht mehr Staatspräsident der arabischen Republik Ägypten. Ein unglaublicher Tag für Ägypten!

Die letzten Wochen haben uns, zumindest wenn wir die (peinlich berichtenden) einheimischen Medien links liegen gelassen und Al Jazeera geschaut haben eindrucksvoll bewiesen, dass in Ägypten das Elend, das man auch als Tourist sicher nicht ignorieren kann, sicher viel mit der unglaublichen Dursetzung aller Positionen mit Geheimpolizisten und korrupten Beamten zu tun hat. Nun erst scheint auch dem gemeinen deutschen Mob zu Ohren gekommen zu sein, wie sehr die ägyptische Bevölkerung der eigenen Polizei ausgesetzt war, nicht nur, weil man auch als Tourist immer mal vielleicht Bestechungsgelder zahlen musste.
Und das alles erst nun, indem Polizeigewalt dokumentiert wurde, indem Proteste gezeigt wurden, auch um Nachteil der übertragenden Anstalten und couragierten Journalisten. Weder Ausgangssperren, noch das teilweise landesweite Lahmlegen von Telephon- und Internet haben die Demonstranten aufhalten können, eine ungeahnte Welle von Protesten wochenlang zu halten und sich trotzdem zu verständigen.

Interessant ist, wie in dieser Situation immernoch die internationale Politik zögern kann, wenn doch ersichtlich ist, dass dem Volk alles lieber ist, als die derzeitige Polizeidiktatur. Statt aktiv gegen die (mögliche) „Islamisierung“ im Sinne einer Übernahme durch extreme Strömungen der Auslegung des Korans zu agieren, halten die westlichen Mächte wochenlang die Füße still, entblöden sich nicht einmal, sich noch einmal hinter Mubarak zu stellen, wie Biden und Blair . Dabei hätte man gedacht, dass zumindest das „christliche Abendland“ USA sich angesichts der möglichen Verbindung der Polizei zum Kirchenanschlag in Alexandria auf die Seite der Demonstranten gestellt hätte. Ein Schelm, wer das seine Gedanken nicht in Richtung israelische Sicherheit  und Suez-Kanal schwenken läßt, trotzdem läßt einen diese althergebrachte eingefahrene Dummeheit schaudern, denn man könnte rechtzeitig so viel bewegen.

Hoffen wir, dass Übertragung an den Militärrat keine weitere Finte des alten Regimes ist, seine Millionen zu retten und nach  kurzer Zeit so weiterzumachen, wie bisher. Nach allem was man hört, ist zumindest Mubarak in seiner Festung und grollt, während seine Kronprinzen nicht wissen, wie sie weitermachen sollen.

update 19.02:
Und nun liegt der Präsident offenbar im Koma und es gibt die ersten Familienstreitigkeiten

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