Yakov Kreizberg

Es war vor sagen wir 12 Jahren, als ich entdeckte, dass Chorsingen manchmal viel größer ist als nur mit Kammerorchester. Wir sangen Mahlers zweite Sinfonie zusammen mit dem Ernst Senff Chor und dem Weltorchester Jeunesses Musicales, erst in einer Werfthalle in Wolgast, dann in Berlin. In Wolgast war es so kalt, dass wir die Mäntel während der Aufführung nur zum singen auszogen, und die Tür hinter der provisorischen Bühne funktionierte nur von innen, daher mussten wir 20 min auf die Solisten warten, ehe sich jemand erbarmte um sie einzulassen. In Berlin war die Philhamonie ausverkauft und ich sang zum ersten mal vor 2400 Menschen. Die erste Probe fand in einem (gemessen an der Menge an Chorsängern) winzigen Raum statt, mit Klavier und Dirigenten. Ich saß ich der dritten Reihe und war zum ersten Mal mit Yakov Kreizberg, einem echten „Orchesterdirigenten“ konfrontiert, jemand, der erwartet unmittelbar einen Ton zu hören, wenn er die „Eins“ gibt. Jemand, der mit einer bisher nicht erfahrenen Leidenschaft, Gelassenheit und Erfahrung dirigierte, kleinste Nuancen verstand zu vermitteln und wenn nötig, 40 Stimmen mit dem kleinen Finger dirigierte. In wenigen Proben verstand er es zu vermitteln, was er auf der Bühne sehen mochte und das zudem auf höchst symphatische Art und Weise. Beide Konzerte waren großartig, der Applaus für Chor, Orchester und nicht zuletzt den Dirigenten verdient, die Stimmung euphorisch und erhaben. Noch nach Jahren trage ich eine Reminiszenz dieser Abende, jedes Mal, wenn ich eine Bühne betrete um ein Konzert zu singen.

Yakov Kreizberg dirigierte über Jahre das Weltorchester Jeunesses Musicales, war bekannt in Berlin und Wien als außerordentlicher Musiker und Dirigent. Leider viel zu früh verstarb er heute nach langer Krankeit in Monaco.

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