„Großhirn an Faust: Ausfahren und zuschlagen!“

Wahrscheinlich waren wir alle der Illusion erlegen, dass sich mit Plattformen wie Vroniplag die Welt zu einem besseren bekehren läßt. Dass die Problematik von Plagiaten in der Wissenschaft die breite Öffentlichkeit erreicht, die aufgedeckten Fälle von den Universitäten erneut geprüft werden, den Betrügern die Titel aberkannt werden und die Plagiierten en masse Strafanzeigen stellen, damit sie als Betrogene auch vor Gericht Recht bekommen. Damit sich die Betrüger mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass ihr Betrug ihnen den Leumund,Arbeit und einen gut Teil ihres Lebens kostet, wie das auch in den „unteren Schichten“ der Fall ist, in denen Verkäuferinnen wegen gegessener Schrippen und vergessenem Wechelgeld rausgeschmissen und ihrer Existenzgrundlage beraubt werden.

Wie wir aber sehen, wird in bestimmten Umgebungen, Netzwerken, Parteien (?) Betrug als Adelszeichen von Charakterbildung angesehen. Wie sonst ist es zu erklären, dass Herr G, verkünden nach der Farce, die Aberkennung seines Titels begleitete, verkünden darf, dass er nicht nur ein, nein zwei Sabbatjahre nimmt (denn er hats ja auch). Angeblich, um Abstand zu gewinnen. Tatsächlich werden wir in zwei Jahren sehen, wie  G. wieder  einen Neustart wagt, mit frisch aktualisiertem Lebenslauf, der ihm eine entspannte, doch hochdekorierte Tätigkei von irgendwo wo die Sonne scheint bescheinigt. Aber das in zwei Jahren.

Ein Schlag ins Gesicht kam gestern über  SPON. Wir konnten gerade noch damit  umgehen, dass SKM angesichts der sie  betreffenden Plagiatsvorwürfe vorzeitig alle Ihre arbeitsintensiveren und verantwortungsvollen Ämter niederlegte, unter Beibehalt ihres profitablen und recht bequemen EU-Mandats (sie ist ja eh nie da, angeblich wegen der Kinder). Wir wunderten uns ziemlich, dass sie SKM erdreistete, nach Aberkennung ihres Doktortitels Ihre Universität anzuklagen, sie hätten die Arbeit nicht erst annehmen dürfen. Weil man jedem Doktoranden, der sich in der Aufnahme einer Doktorarbeit bereits den Regeln wissenschaflticher Praxis unterwirft (wenn er es ernst meint), Betrugsabsicht unterstellen sollte? Weil die aufgezeichneten Mängel im Gutachten damals ebenfalls falsches Zitieren beinhalteten? Absurd ist, dass SKM ihre Forschungsförderung, die sie im Rahmen ihrer Dissertation erhalten hat nicht zurückzahlen muss. Und das, obwohl es im Prüfungsgutachten unter Punkt 6. Vorläufige Bewertung heißt: „Es stellt sich die Frage, ob es durch die Förderung der Arbeit durch die Friedrich-Naumann-Stiftung mit Mitteln des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie zu einer Zweckentfremdung von Steuergeldern gekommen ist.“ Es ist schon eine grobe Dreistigkeit, dass entsprechende Stiftung  meint, für die Prüfung der rechtmäßigen Verwendung der Gelder nicht zuständig zu sein, wie es sonst bei jedem anderen öffentlich geförderten Forschungsprojekt ist (bei dem man selbst kleinste Summen nicht einmal innerhalb des Projektes umwidmen kann und eine lückenlose Buchführung zwingend vorgeschrieben ist).

Was aber dem Fass den Boden ausschlägt ist, dass SKM nun zum Vollmitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie ernannt wurde. Nicht nur trotz des nachgewiesenene Betrugs, bei der jeder andere Arbeitgeber mit einem Rausschmiss reagiert hätte, nein auch noch in einen Auschuss, der sich unter anderem mit der Vergabe von Forschungsgeldern beschäftigt. Weil sich SKM so gut damit auskennt, Forschungsgelder für gemeineigennützige Zwecke zu verwalten? Alles daran zeigt doch nur, wie wenig gute und vor allem saubere Arbeit wert zu sein scheint, wenn es um die Vergabe von Posten geht. Alles das zeigt doch nur, wie sehr Leute in Entscheidungspositionen darauf scheißen, ob man betrogen hat, gelogen und Gelder veruntreut, die Ergebnisse geklaut oder geschönt oder erfunden. Hauptsache, das Ergebnis ist indiskutabel, der Lebenslauf groß und bedeutend genug, dass man sich als Entscheidungsträger mit ihm stellvertretend schmücken kann.

Man  wundert ich überhaupt nicht: „So entsteht ein dumpfes Klima, in dem auch die kleinen, die studentischen Guttenbergs gedeihen.“

Wenn dieses Klima nicht dazu führte, dass „echte“ Wissenschaflter auf der Strecke bleiben, könnte man lachen und es einfach genauso machen Aber es ist nicht zum lachen. Wir sind wütend.

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update: Andere können natürlich viel besser schreiben. Hier in der FAZ.

update2: SKM hat gestern den Forschungsausschuss verlassen, um, wie es heißt, in einen anderen Ausschuss zu wechseln. Als ob es damit reichen würde…

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