Precht mir nach und haltet stille

An sich und das muss man vorweg sagen ist das Buch wirklich keine schlechte Einführung in bestimmte philosophische Gedankengänge. Wissen kann man auch schleichend und schmeichelnd vermitteln, ganz nebenbei erfährt man ein paar interessante Dinge über einige der hier genannten Philosophen, der Schreibstil ist so flüssig, dass sich das Buch eigentlich von selbst liest, das Literaturverzeichnis ist übersichtlich und lädt zum nachlesen ein- nur der Autor, ja der ist leider ein ganz schöner Poser. Es ist schade, wenn sich der Eindruck, den man aus einigen Interviews hatte hier bestätigt, letztlich ist Precht ein Mann großer Worte, selbstverliebt und damit unendlich antrengend. Namen und Fakten müssen bei allen hier behandelten Themen möglichst groß und überspitzt sein, Anekdoten drastisch und viele der hier behandelten Themen hinterlassen den schalen Geschmack einer Schwarz-Weißmalerei. Es gibt nur entweder totale Ablehnung oder totale Zustimmung und wo ihm das nicht gelingt, steht insbesondere im ersten Drittel des Buches ein: Weiß man nicht, müsste man eigentlich mal drüber nachdenken. Nun, vielleicht muss ein Einführungsbuch in philosophische Denkweisen nicht gut begründete Thesen beinhalten, vielleicht muss man nicht einmal besonders Ahnung von den praktischen Problemem haben, die man erörtert. Schwierig wird es für den Leser, wenn er auf Beispiele aus bekannten Fachbereichen stößt (hier wohl PID, klonen, Hirnforschung), in dem einen das reißerische der ausgewählten Argumentation dermaßen anbrüllt, daß man am liebsten die Augen zumachen und eine beruhigende Hand dem Autor entgegenstrecken möchte. So einfach ist das Fachliche nicht, wie Precht sich das denkt und infolge darf eine ethisch-philosophische Diskussion, die man anschließen möchte auch nicht binär geführt werden. Es erschreckt einen tatsächlich, mit welcher Naivität Diskussionen wie zum Beispiel zur Abtreibung, zum Klonen und zur Präimplantationsdiagnostik geführt werden, wenn man doch davon ausgehen muss, dass Precht sich vor dem Schreiben dieses Buches belesen haben wird. Aber vielleicht hat er auch nur die Überschriften gelesen und sich den Rest versucht zu denken. Schade, dass Precht trotzdem mit der Attitüde eines im kantschen Sinne „mündigen Bürgers“ (Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!) durch die Thematiken torkelt, der Grobmotorik seines Halbwissens folgend und dabei die Eleganz genauer Faktenkenntnis negierend, alles niedertrampelt, was seiner Argumentation entgegensteht. Zugegeben, es sind große Themen. Vielleicht wäre Precht besser bekommen, zu jedem dieser Probleme ein eigenes Buch zu schreiben, anstatt zu versuchen, sie auf das vermeindlich wichtigste, in diesem Fall vielleicht eher das offensichtlichste, zu reduzieren. Trotzdem sollte man das Buch gelesen haben, gerade, wenn man ein Einsteigerbuch sucht (um dann den zitierten Quellen zu folgen) und Spaß an Gedankenspielen hat, denn bei allem Aufregen über den Autor sind es doch die Fragen, die interessieren und nicht unbedingt die Antworten.

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