Wirtschaftspolitik, Kühe und Gilgamesh

Meine Freundin E schrieb vor einiger Zeit , sie hätte da im Netz eine schöne Umschreibung verschiedener Wirtschaftssysteme anhand Beispielen mit zwei Kühen entdeckt. Der Link folgte hinterher und liegt seitdem in meiner Bookmarkliste. Das schöne an dieser humorvollen Umschreibung durch Parteien, Nationen und Wirtsschaftssystemen hindurch ist, dass sie irgendwie doch zutrifft und man am Ende der Beschreibung am liebsten Franzose (Sie besitzen zwei Kühe. Sie streiken, weil sie drei Kühe haben wollen. Sie gehen Mittagessen. Das Leben ist schön.) oder Italiener (Sie besitzen zwei Kühe, aber sie wissen nicht, wo sie sind. Während sie sie suchen, sehen sie eine schöne Frau. Sie machen Mittagspause. Das Leben ist schön.) sein wollte. Leider aber muss man doch arbeiten, schafft und müht sich am Steigern des Bruttosozialprodukts frei nach alten Schlagern. Das das alles irgendwie komisch ist, wusste man damals schon.

Jedenfalls habe ich gerade „Die Ökonomie von Gut und Böse“ von Tomás Sedlácek zu Ende gelesen und wieder daran erinnert gefühlt. Es sei ein Muss heutzutage, an den unaufhaltsamen Fortschritt mit noch mehr von allem zu glauben. Es sei ein Muss, mehr Schulden aufzunehmen, statt diese abzubauen. Als könnten wir nicht aus der Geschichte, der gesammten Geschichte der Menschheit lernen, dass dies unweigerlich nur im nächsten Crash münden kann. S beschreibt sehr unterhaltsam und doch eindringlich, welchen emotionalen Zwängen wir uns selbst untergeordnet haben und schlägt als „lernen aus der Geschichte“ ein Umdenken vor. Von Gilgamesh bis zur modernen Ökonomie in knapp 400 Seiten, die ich alle sehr gern gelesen habe, ist es ein schönes Buch für Nichtökonomen, das einem mitgeben will, doch auch einmal innezuhalten, statt immer wieder vorwärts zu streben.

weitere Kritiken unter Deutschlandfunk, Perlentaucher und faz.

PS, denn ich bin über was gestolpert:
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