Ökonimisierung der Wissenschaft- ein Buch von Münch

Wie (bereits vor einem Monat…mea culpa) versprochen, ein Beitrag zu Richard Münchs Buch: Globale Eliten, lokale Autoritäten, Bildung und Wissenschaft unter dem Regume von PISA, Mckinsey & Co.. Die FAZ hatte schon nicht ganz unrecht, wenn sie schreibt, dass Münch in diesem Buch Opfer seiner eigener Argumente geworden ist und dieses Buch selbst Zeugnis einer desolaten Hochschulsituation… Aber der Reihe nach.

Ich habe in diesem Buch so viel angestrichen, gerade weil in den letzten Wochen auf SPON ein paar Artikel von Studenten zu lesen waren, die sich derzeit nicht im Stande fühlen, den Appell „seid Rebellen und keine Mitläufer“ irgendwie durchzuführen. Und weil ich passend dazu von verschiedenen Profs gehört habe, wie schlecht doch die neuen Studenten an den Unis, so frisch von der Schule so seien. Und von Lehrern, das die Abiturienten auch nicht mehr so klug wie früher seien. Was Münch macht und das macht er gut, ist in unglaublich verschwurbelt hochgestochenem Deutsch auseinanderzusetzen, woran das denn liegt. Dass sowohl das Schul-, als auch das Universitätswesen einem Wandel in Richtung Ökonomisierung unterliegt. Dass dieser Prozess zu einem clash von internationalen Vorgaben und Denkmodellen mit historisch gewachsenen Strukturen führt, die alle überfordert: Die Lehrer, die beides vermitteln sollen (und gerade in Deutschland nicht unbedingt wollen), die Schüler, die alles lernen sollen und die Hochschulen, die plötzlich dank publish or perish wie Unternehmen zu funktionierne haben, aber es (noch) nicht können. Ernüchternd ist die Einschätzung, dass dieser unbefriedigende Schwebezustand gut noch einige zehn Jahre so weitergehen soll. Und dass in der Zwischenzeit das Bildungssystem eben nicht gerechter, sondern wesentlich ungerechter sein wird, als bisher, da die ökonomischen Eliten immer die Bildungseliten stellen werden.

Münch vergleicht in seinem Buch unter anderem die USA, Finnland und Deutschland und diesbezüglich sind mir einige interessante Sachen im Gedächtnis geblieben:

-Trotz guter PISA-Ergebnisse ist die Jugendarbeitslosigkeit in Finnland wirklich hoch. PISA Ergebnisse sind also nicht auf Arbeitserfolg übertragbar.
-Ein Test von 15 Jährigen sagt auch in den USA NICHTS über deren späteren Berufserfolg aus

-oligachische Strukturen (an den Unis. Wirklich schöne Beschreibung) lähmen systematisch den wissenschaftlichen nachwuchs und unterbinden den Erkenntnisforschritt.

-die Ökonomisierung der Forschung unter gleichzeitiger Beibehaltung des alten Oligarchischen Systems an deutschen Universitäten gebiert die absurde Situation, ‚dass Geld für Stellen eingeworben wird, die mit Mitarbeitern besetzt werden, die allein schon aus der Personalstruktur der Universitäten heraus keine Karrierechancen haben‘ Und das wurde in einer Studie der DFG aus 2006 so geschrieben. ‚Die Uni wird dafür belohnt, Mitarbeiter auszubeuten und davon abzuhalten, dort Karriere zu machem, wo es für sie eine langfristige Perspektive gibt‘. Wie ich in einem anderen Artikel (und sicher anderweitig mehrfach) schrieb: solange die Beteiligten den Zirkus mitmachen, wird sich daran auch nichts ändern. Vielleicht tut es das aber gerade auch durch eine neue Generation von Studenten, die sich nicht mehr das Leben aussaugen lassen, nur, damit auf dem Papier alles schick aussieht.

Also, auch wenn die FAZ das Buch als große Selbstbemitleidung darstellt, mir hat es geholfen zu verstehen, was ein System da gerade vor sich hin gärt und warum die Probleme so liegen, wie sie sind. Daher von mir eher die Empfehlung, das Buch zu lesen, Schlüsse daraus zu ziehen und danach zu handeln.

Was die Schlüsse angeht, so kann man ein schönes und irgendwie nachvollziehbares Beispiel in Stephan Thomes: Flihkräfte, das ich überhaupt nicht so melancholisch empfand, wie es die FAZ schreibt. Vielleicht haben die ein anderes Buch gelesen?

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