Trondheim und Oslo

Ok, es mag vielleicht an der allgemeinen Reisemüdigkeit liegen, die einen befällt, wenn man bereits lang unterwegs ist und ein guter Teil ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass man sich ein wenig zu wenig auf beide Städte vorbereitet hat: Aber wer mehr als 4 Tage für beide Städte einplant, ist selbst schuld, wenn er sich langweilt.

Trondheim ist überschaubar und nett, davon abgesehen, dass der einzige Campingplatz „in der Nähe“ 10 km von der Stadt entfernt ist und man daher jeden Tag am Berg über dem Wasser in die Stadt und zurrück radelt. Aber mit sympatischer Innenstadt, einer Bibliothek, in der man Netz haschen kann, einigen geistlichen und weltlichen Sehenswürdigkeiten und endlich wirklich gutem Kaffee in einer Umgebung, die an Berlin im Sommer erinnern könnte, wenn die Häuser nur zwei Stockwerke höher wären. Nach drei Tagen will man aber trotzdem weg, zumal spätestens hier eine deutliche Militäraffinität spürbar wird, die man so nicht kennt. Warum gibt es bitte an jeder Ecke in jedem Ort ein Militärmuseum, dass die heldenhafte Verteidigung der norwegischen Heimat gegen die deutsche Invasion und überhaupt die glorreiche norwegische Militärgeschichte zum Thema hat? Nach Honningsvag und Narvik finden wir hier das dritte Museum dieser Art und fangen langsam sehr zu zweifeln an. Und ja, alle drei Standorte gleichen sich in Aufmachung und Präsentation . Sehr ärgerlich finde ich noch im nachhinein, dass das gro der politsch beschreibenden Tafeln ins englische übersetzt wurden (so selbstverständlich ist das in hiesigen Museen ja nicht unbedingt), aber sämtliche interessanten Einzelheiten, seien es Schlachtverläufe, militärische Stärke im Zusammenhang mit Vorfall XY und technische Details der eingesetzten Waffen nur norwegisch sind, so dass man lange rät, bevor man sich mit seinen beschränkten Kenntnissen der Sprache ein Bild machen kann. Schade, wirklich schade und es hinterläßt in seiner Konsequenz den schlechten Geschmack von Absicht.
Außerdem bemerkt man eine weitere recht merkwürdige Eigenheit in Norwegen: entweder man ist zu früh, oder zu spät, jedoch nie zum rechten Zeitpunkt in der Stadt, als dass man sich einige Sachen, die man sich gern angesehen hätte noch ansehen könnte. So ist zwar der Dom zugänglich, jedoch nur bis 16.00 (der Bischofssitzes ebenso) und der Turm jedesmal zu, wenn wir da sind, obwohl überall groß angepriesen wird, dass alles immer offen ist. Wir schütteln den Kopf und ergeben uns unserem Schicksal, nur um festzustellen, dass man wochentags nur bis 20.00, am Sonnabend nur bis 18.00 alkoholhaltiges Bier im Supermarkt bekommt. Mmmmmmh. Absurde Reglements.

Wir fahren nach Oslo, finden einen Campingplatz auf dem Berg , in dem man die Duschen mit einer Magnetkarte (analog Mensakarten: man packt Geld drauf und kann dann eben Dinge tun) aktiviert und lustige Verbotsschilder an den Steckdosen, dass man hier nicht sein Handy aufladen soll. Dass man die Magnetkarten natürlich nur bei offener Rezeption bekommt, wird uns bei Ankunft an der „geschlossenen“ Rezeption nicht gesagt. Einen Morgen später wissen wir das dann. Ach Oslo. Perle des Nordens. Nirgendwo wurde ich so penetrant angebettelt, wie hier, nirgendwo fährt die letzte Fähre von der Halbinsel Bygdoy auch tatsächlich 5 min, nachdem die Museen geschlossen haben (und hinterlassen ratlose Touristen, die heute noch eigentlich wieder in die Stadt wollen…zum Glück waren wir mit den Rädern unterwegs), nirgendwo hat man so sehr das Gefühl, in einer kleinen piefigen Stadt gelandet zu sein, die nicht weiß, ob sie sich nun wie eine Grand Dame benehmen soll, seit Norwegen Öl und damit geld hat. Ich war leider sehr enttäuscht und kann nur soweit dazu raten, sich zwei Tage Zeit zu nehmen, die 7 Museen der Stadt abzuklappern (dabei kann man das norwegische schiffahrtsmuseum auch ruhig aussparen, der Rest von Bygdoy lohnt sich aber, außerdem großartig:das Munchmuseum und die Nationalgalerie) und dann weiterzufahren, denn ein längerer Aufenthalt ist vertane Zeit.

Am Flughafen brauchen wir zwei Stunden zum einchecken, denn zwar sind diesmal die Fahrräder kein Problem, aber es gibt für Flugtickets (unser Code funktioniert nicht bei den Eincheckmaschinen…also zurrück manuell erstmal Tickets basteln gehen), einchecken und Großgepäck jeweils einen Schalter mit Schlange davor oder Nummern zum ziehen und laaaaaaaangsamen Mitarbeitern. Dass Norwegen imemrnoch an dieser albernen 100 ml Regelung festhält führt dazu, dass wir unsere 1,5l Trinkflaschen bis auf 100 ml austrinken (um sie dann doch nicht durch die Schleuse zu bekommen) und wir die Marmelade nicht im Handgepäck mitführen dürfen („but it´s liquid“). Der Geduldsfaden reist, als wir den betreffenden Rucksack bereits als Zusatzgepäck an Schalter B eingecheckt haben (vielen Dank an die Familie, die meine sichtlich genervte Person vorließ) und und nun der Imbusschlüssel für Fahrräder eine gemeingefährliche Waffe ist und am Flughafen bleiben muss. Ich frage mich, ob mein wütender Hinweis, dass das Ding aus meiner Tasche, das piepte eine Stimmgabel ist und einfach nur „ping“ macht selbige vor einem ähnlichen Schicksal bewahrte-gebogene Drähte sind schließlich beide Stücke.

Doch endlich sind wir flugbereit, anderthalb Stunden später in der heimatlichen Stadt und nanu: Fahräder zurrück und fertig basteln (mit dem Ersatzschlüssel) und aufladen und aus dem Flughafen kommen…alles geht plötzlich schnell und ohne Probleme.

2 Gedanken zu „Trondheim und Oslo

  1. Ja Imbusschlüssel und Stimmgabeln sind schon wirklich gefährlich, du könntest das (verbotene) Marmeladenglas mit dem Imbusschlüssel aufbrechen und mit der Stimmgabel dazu bringen (Hypnose und so) dem Kapitän in die Augen zu hüpfen und die Ohren und Nase zu verkleben. Also ist das Verhalten des Sicherheitspersonals schon verständlich. Und wer würde nicht gern die einheimische gute Marmelade selbst essen als sie den gefräßigen Touristen mitgehen zu lassen. Und wer weiß, vielleicht war sein Fahrrad vor der Tür ja in einem Imbusschlüssel-benötigenden Zustand.
    Ich musste immerhin mein Feuerzeug aus dem Rucksack auspacken und INS Handgepäck nehmen, denn dass es sich von selbst entzündet ist schon mehrmals vorgekommen. Auch sind die Dinger per se ja nicht gefährlich, wer würde schon das Flugzeug anzünden … dann lieber Imbusschlüssel nehmen und das Flugzeug auseinanderschrauben 😉

    O Tempores O Mores!

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