was haben SNPs mit Nationalität zu tun?

Das Fachgebiet der Populationsgenetik ist im Grunde schön und anschaulich. Wissenschaftler haben anhand der hier etablierten Methoden die Möglichkeit, Artn und Rassen geographisch voneinander abzugrenzen und über die Zeit Veränderungen dieser Grenzen zu dokumentieren, diese in größere biologische Zusammenhänge einzuordnen und so einen wichtigen Teil zur Erforschung von Wechselwirkungen innerhalb oder zwischen Ökosystemen oder geographisch getrennten Gebieten zu leisten

Allerdings sind die Konsequenzen dieses geographisch zuordnenden Wissens nicht ohne Probleme, beinhalten sie doch immer das Argument, etwas sei reinrassig oder mischrassig. In eher harmloseren Fällen (wennauch ebenso erschreckend), wird unter diesem Gesichtspunkt Nachwuchs aus Fehlpaarungen in Zoos entsorgt, da dieser nicht reinrassig (für eine bestimmte Region und eine bestimmte Unterart) ist.

Das gleiche Grundargument, die mögliche geographische Zuordnung anhand genetischen Materials stand in GB Pate für ein umstrittenes Pilotprojekt. Hier soll, zunächst auf Freiwilligenbasis, mittels genetischer und geologischer Untersuchungen anhand von Gewebeproben (Haare, Speichel, Nägel) festgestellt werden, ob sich Asylsuchende geographisch zuordnen lassen, da sich das entprechende Herkunftsgebiet positiv oder negativ auf den Asylantrag auswirken kann.

Nun kann zwar davon ausgehen, dass der Test formal tatsächlich freiwillig ist, aber wer garantiert, dass sich eine Ablehnung des Tests nicht ebenfalls negativ auf den Asylantrag auswirkt? Davon abgesehen, wird das Projekt von wissenschaftlicher Seite äußerst kritisch bewertet, denn:

„The Borders Agency is clearly making huge and unwarranted assumptions about population structure in Africa; the extensive research needed to determine population structure and the ability or otherwise of DNA to pinpoint ethnic origin in this region simply has not been done. Even if it did work (which I doubt), assigning a person to a population does not establish nationality – people move! The whole proposal is naive and scientifically flawed.” (Alec Jeffreys)

Wahrscheinlich kann man gerade in Kriegsgebieten davon ausgehen, dass eine abgegrenzte Verteilung der einzelnen Gemeinschaften voneinander, gar Nationalitäten (wo Stämme über nationale Grenzen hinweg existieren ) eine widersinnige Annahme ist. Daneben existiert gerade im Bereich der Populationsgenetik ein immenser Definitionsmangel, so dass Gruppen aufgrund von unterschiedlichen Definitionen mal unterscheidbar sind und mal nicht. Hinzu kommt eine mangelnde Informationsauflösung bei den gewonnenen biologischen Daten:“Dense genomic SNP data does have some resolution … but not at a very local scale, and with considerable errors.” (Mark Thomas)

Andere methodische fauxpas: Es soll neben genetischen Varianten das Auftreten bestimmter Isotope gemessen werden, da man in der Vergangenheit bereits gute geographisch aufgelöste Daten sammeln konnte. Allerdings:

„Details of the plan to use isotope analyses in addition to DNA analyses have intensified skepticism. The plan is to look for ratios of certain isotopes in tissue that could be matched to ratios in the environment where a person was born or grew up. But isotope specialists point to a seemingly obvious flaw: There’s no scientifically accepted evidence that isotope signatures at birth or during childhood are still present in adult samples of constantly growing tissues such as hair and nails. At best, researchers say, those tissues reflect the past year or so of a person’s life. “It worries me as a scientist that actual peoples’ lives are being influenced based on these methods,” says Jane Evans, head of Science-based Archaeology at the National Environment Research Council Isotope Geosciences Laboratory in Nottingham.“

Das Problem ist nämlich dass diese Methode zwar funktioniert, aber eben nicht in den Materialien, die an der Grenze genommen werden. Knochengewebe (z.B. für Strontiumnachweis) wäre zwar geeignet, aber wird (glücklicherweise) nicht entnommen. Daher entbehrt auch dieser Nachweis einer nachvollziehbaren Grundlage.

„The Border Agency has not yet responded to a request to identify the scientists it is working with, nor has it cited any scientific papers that validate its DNA and isotope methods. It’s also not clear who is conducting the DNA and isotope analyses for the Border Agency. Evans says her lab, which is arguably the U.K.’s leading academic center for isotope studies, is not involved. Several researchers say they suspect private labs are doing most of the work—and they question if such labs have been properly vetted for reliability. Among their many concerns, some scientists also worry that statistical uncertainties may be overlooked.“

Auch dieser Aspekt wirft nicht gerade ein gutes Licht auf das Projekt, gerade was die Undurchsichtigkeit des Auswahlverfahrens der Labore angeht. Es ist nicht nachvollziehbar, ob die entsprechenden Stellen, sind sie einmal beauftragt auch befriedigende und verifizierbare Nachweise durchführen können.

Nicht zu vergessen: Es handelt sich hier um ein Beurteilungsverfahren, das der Absicherung eines Asylantrags dient. Bei allem technischen ist fraglich, ob eine Beurteilung eines Menschen aufgrund dessen genetischer Materials ethischen Grundsätzen entspricht und nicht lieber sehr schnell vergessen werden sollte..

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