Sehr geehrte/r …

Im letzen Artikel hatte ich mich unter anderem mit Schnelligkeit beschäftigt. In diesem Zusammenhang: Wieso eigentlich dauert es gewöhnlich so lange, bis man Antworten auf Bewerbungen bekommt? Also zumindest hier, denn im nicht deutsch sprechenden Sprachraum habe ich bisher völlig andere Erfahrungen gemacht (einmal in Rekordzeit von 2h von jenseits des Atlantik)? Liegt es an der deutschen Behäbigkeit und kleinteiligen Bürokratie, dass man Wochen und Monate warten muss, bis die kurze Absage oder längere Zusage kommt? Auf Nachfrage bekam ich einmal die Aussage, man dürfe sich erst melden, wenn der komplette Bewerbungsprozess abgeschlossen sei, selbst wenn die eigene Bewerbung nicht einmal bis in die zweite Runde gekommen ist.

Ehrlich: Ich finde das unakzeptabel. Was bricht sich denn der Personaler bei der Durchsicht von Bewerbungen einen Zacken aus der Krone, wenn er Bewerbern, die eh nicht weiterkommen gleich nach Aussortierung eine Mail schickt? Ob er nun sagen wir 20 Mailadressen einpflegt und in 3 Monaten 5 solche Emails wegschickt oder sich am Schluss nochmal ALLE Adressen raussuchen muss um dann eine Mail zu schicken macht sicher nicht mehr Arbeit, eher weniger. Und der Zettelkram auf dem Schreibtisch wird auch kleiner, damit weniger Stress für den Personaler und für den Bewerber. Leider ist das nicht so und reinweg hat man den Eindruck, es ginge nur um Machtspielchen von Firmen, um eine Attitüde, die noch aus den Zeiten von Großindustriellen stammt.

In einer dieser Zeitungen, die ich normalerweise nicht lese stand als Überschrift „Gute-Arbeitgeber-lassen-Bewerber-nicht-warten“ Das würde grauenhafterweise bedeuten, dass es im hiesigen Raum fast ausschließlich schlechte Arbeitegeber gibt, was ja so auch wieder nicht stimmt. Das aber zumindest das Image dieser Firmen unter dieser Politik leitet, ist in Östereich schon angekommen. Und immerhin regt sich auch in Deutschland öffentlich Kritik an den umständlichen Jobportalen und der unterirdischen Kommunikation vieler Firmen.

Das gruselige zum Schluss: So viele (aktuelle) Artikel findet man zu dem Thema nicht, obwohl es alle Bewerber nervt und sich doch jeder in dieser Situation findet. Alle meine Bekannten halten diese Politik von Firmen für den Normalfall und jede schnelle Rückmeldung für ungeheuren Luxus und bedienen damit Hierarchiemodelle, die längst ausgedient haben sollten.