Hormontherapie illegal

So, da haben wir´s:

Ich schrieb ja bereits vor einiger Zeit einen Beitrag zum Thema Östrogentherapie , unter anderem an dem Fall Ashley festgemacht. Nun hat auch ein amerikanisches Gericht festgestellt, dass sowohl die Therapie, als auch die einhergehenden Operationen nicht rechtens waren. In diesem Fall vielleicht zu spät, aber hoffentlich richtungsweisend für andere Fälle.

Da hat aber jemand mal mitgedacht

„Soon it will be illegal to deny US citizens jobs or insurance simply because they have an inherited illness, or a genetic predisposition to a particular disease.“

Volltext hier und das entsprechende Gesetz dort.

Eigentlich sollten wir uns zu Hause, nun, da unser Innenminister darauf hinarbeitet uns auch entsprechend zu erfassen (als würde Datensammeln bei Fingerabdrücken aufhören…) auch mal durchringen zumindest eine entsprechende Gesetzeserweiterung voranzutreiben. Zumal keiner annehmen kann, dass die Verwendung genetischer Daten auf „sicherheitsrelevante“ Fragestellungen in Zukunft beschränkt bleiben wird. Antidiskriminierungsgesetz hin oder her, solange da kein exakter Wortlaut enthalten ist, werden wir sicher auch irgendwann vor genau diesem Problem stehen. Wird ja auch schon lange genug diskutiert.

Ashleytreatment

Der Spiegel verlinkt auf eine Diskussion, die das Schicksal eines schwerst geistig und körperlich behinderten Kindes in den USA zum zentralen Thema hat. Das Thema ist insofern heikel, als dass sich die Eltern des Kindes für eine Östrogentherapie an ihm entschieden hatten, die das Wachstum hemmen sollte. Dadurch sollte eine weitere Pflege des Kindes zu Hause ermöglicht werden. Allerdings stellt sich die Frage: Warum jetzt? Die Eltern haben sich nach Aussage der Website bewusst dafür entschieden, ihre Tochter trotz schwerster Behinderung aufzuziehen. Sich jetzt für eine Erleichterung des Lebens mit ihr zu entscheiden mutet unter diesen Umständen verständlich aber inkonsequent an. Auch, weil durch die Therapie zusätzliche OPs notwendig wurden, um einer möglichen Krebserkrankung an der Gebärmutter und den Eierstöcken nach der Therapie vorzubeugen. Es wurden also sehr schwerwiegende Eingriffe in die Biologie des eigenen Kindes erlaubt und aktiv in Angriff genommen und es stellt sich die Frage, wieweit das ethisch vertrebar ist, gerade weil das entsprechende Kind aufgrund seiner Behinderung niemals in der Lage sein wird, dies zu reflektieren oder sich gegen die äußeren Umstände zu wehren. Im dem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass die ethische Diskussion ebenfalls unter Wissenschaftlern geführt wird.

Liest man bei SPON weiter stößt man auf zwei weitere Artikel (hier und hier).

Bei genauerem Studium fällt auf:
Der Einsatz von Östrogenen und Wachstumshormonen hat in den USA eine Tradition seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Allerdings werden Hormone wie Östrogene meist zur Wachstumshemmung großer Mädchen angewandt, während die Wachstumshormone doppelt so häufig kleineren Jungs als Mädchen verabreicht werden. Ob das dann auch nur  nach medizinischen Gesichtspunkten und nicht nach dem vorherrschenden Schönheitsideal geht?