Why “Agile” and especially Scrum are terrible | Michael O. Church

SCRUM und Agiles Management ist mir zum ersten Mal begegnet, als ich nach alternativen zu langweiligen und langwierigen Labormeetings gesucht hatte. Ich sehe wirklich nicht ein, was daran zielführend sein soll, 20 Leute mit 15 verschiedenen Projekten um einen Tisch zu versammeln und 4h lang einzeln vortragen zu lassen, was in der letzten Woche so alles passiert ist. Ich glaube, es war in einem Science-Artikel, dass ich gelesen hatte, dass es natürlich auch Alternativen dazu gibt: kleinere Gruppen, engere Kommunikation kurze Zeiten (max 1h) und dadurch schnellere Hilfestellung bei Problemlösungen. In diesem Zusammenhang kam auch SCRUM und Agiles Management vor, da es hier im Kern ja darum geht, bei Problemen, die schnell erledigt werden müssen entsprechend schnell durch konzentrierte kurze Meetings und aktuellen Abgleich laufender Arbeiten reagieren zu können. Das fand ich cool. Kein Zeitverlust, schnelle reaktion, konzentriertes Arbeiten und zwischendrin Ruhe zum bearbeiten der aktuellen Probleme. Nur hatte ich nicht damit gerechnet, dass auch diese Managementform genau zu so einer bevormundendenden Geschichte werden könnte, wie die Micromanagementsituationen, mit denen ich bisher zu tun hatte. Michael Church beschreibt in seinem Artikel nahezu eine Horrorvorstellung von Zeitdruck und Kontrolle, die aus agilem Management erwachsen kann. Sehr desillusionierend, zumal die meisten neuen Firmen versuchen, genau diese Form des Managements durchzusetzen. Church beschreibt Situationen, in denen sich Firmen durch SCRUM im Dauerkrisenzustand befinden, weil auf alles schnell reagiert werden muss, ständige Taskforce meetings, die einem den Tag zerstückeln, so dass man psychisch, wie physisch nicht in der Lage ist, eben in Ruhe konzentriert an einer Problemlösung zu arbeiten.

Wenn ich diesen Artikel so sehe, hat die hier beschriebene Situation vor allem mit der Reaktivität des Managements zu tun. Siehe auch die Wortwahl im ersten Absatz. Aus einem reaktiven Management kann auch keine proaktive Entwicklung stattfinden. Reaktion hat immer Deadlines, hängt immer einer anderen Sache hinterher, weil man eben reagiert, statt zu agieren. dahingehend kann jede Managementform ad absurdum geführt werden, egal unter welchem Label man sie laufen läßt. Denn Reaktion auf den Markt, auf die Konkurrenz, auf das Paper des Nachbarn, auf die Tierschützer, auf den Streik von Zulieferern… führt immer zu einer Krisensituation, die zwangsläufig den einzelnen wie auch das Team nicht in Ruhe arbeiten, geschweige denn etwas entwickeln läßt. Daraus folgt aber auch: Agiles Management hat sicher viele Nachteile, wenn es rein reaktiv angewandt wird. Das aber wiederum liegt an der Praxis, nicht der Theorie.

Deutsche-deutsche Trennung

Eigentlich war ich fest davon überzeugt, dass es nach fast 25 Jahren gemeinsamer deutscher Geschichte, immerhin doch inzwischen eine ganze Generation weiter, keinen Unterschied mehr macht, ob man im Osten oder im Westen großgeworden ist. Dass die Unterschiede in Mentalitäten, Wertevorstellungen und so weiter regional bemerkbar sind, im Zweifelsfalls sogar lediglich eine Frage ob man aus dem Dorf, der Kleinstadt oder der Großstadt kommt. Trotzdem saß ich also in dieser Ansammlung von Menschen als Quotenossi und musste mitbekommen, dass der Unterschied aus den Köpfen zumindest in meiner Generation und denen über mir absolut nicht herauszubekommen ist. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen intelligenter Menschen versuchte mir klarzumachen, dass Ostdeutsche naiver sind. Uff, das hatte gesessen, denn wer ist schon gern der Naivator in der Gruppe, der, der wieder nichts rafft? Seitdem habe ich ein bischen ins Netz gesehen, kann aber diese Meinung nirgendwo geschrieben sehen. Das kann natürlich daran liegen, dass außer dieser Gruppe Menschen, unter denen ich weilte, das sonst niemandem auffällt. Schließlich haben wir ja diese ostdeutsche Bundeskanzlerin. Liegt aber vielleicht doch ein µ wahrer Gefühle und Wahrnehmung darin so frage ich mich, ob es sich also um ein Tabu handelt. Etwas, über das man nicht spricht, denn man soll ja niemandem was Schlechtes unterstellen.

Wobei wir bei der Auffassung des Wortes „naiv“ wären. Naive Leute, das sind diese Dummen, die davon erst einmal ausgehen, dass ihnen ihr Gegenüber nichts Schlechtes will, dass sie nicht sofort über den Tisch gezogen werden. Dass man nicht jedes Wort auf die Goldwage legen muss, sondern abwartet. Dass man allgemein gesprochen immer vom Guten ausgeht, von der einfachen Lösung, ja, auch vom Schwarz-Weiß-Denken, eben von einfachen Verhältnissen. Dass aber auch die Grauzone, sofern man sie denn bemerkt immer ein bisschen freundlicher und heller ist, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Dann frage ich mich aber: Ist es denn so schlecht, naiv genannt zu werden? Ist es denn ein so grenzenlos dummer Ansatz, davon auszugehen, dass man mit dem Gegenüber ohne sich zu verstellen irgendwie schon klarkommen will, dass man sich nicht verstellen muss, um zu erreichen, was man erreichen möchte. Sprich, dass man nicht Schauspieler sein muss, um in der Welt klarzukommen? Das so hochgelobte „positive Denken“ ist das denn nichts anderes, als kalkulierte Naivität: Es wird schon alles gut werden, es muss nicht alles furchtbar komliziert sein, es kann sich ruckeln, es muss nicht alles schief gehen.

Das gesagt, finde ich, ein bisschen mehr Naivität würde der innerdeutschen Welt nicht schaden. Der drum herum auch nicht.

Work Life Bullshit…warum eigentlich beschäftige ich mich mit

Managementliteratur? Also so sah es zumindest aus, als ich mir das Buch von Thomas Vasek heruntergeladen habe. Gefolgt von anderen Büchern, von denen vielleicht unterwegs auch gesprochen wird, oder eben später.

Im Gegensatz zu dem in einem anderen Artikel angesprochenen Blogeintrag habe ich das Buch gelesen. Zweimal quasi, denn ich wollte nicht genauso enden, wie der Blogeintrag, den ich absichtlich nicht verlinke. Dabei: werte Autorin, mein Kommentar unter Ihrem Artikel haben Sie immernoch nicht moderiert. Aber nun zum Buch.

Die protestantische Arbeitsethik war durchdrungen von Selbstdisziplin und Askese. Dahinter stand eine im Grunde lebensfeindliche Haltung, die auf dem permanenten Aufschub von Belohnung und Genuss beruhte[…] Nicht viel besser ist…aber eine „hedonistische“ Arbeitsethik, die ausschließlich auf Spaß und Lustgewinn abzielt. Was wir heute brauchen, ist eine Arbeitsethik, die auf Verantwortung gründet.

Und das ist eigentlich genau das, worauf das Buch hinauswill, nachdem man sich einmal durch alle Theorien zu Arbeit und Arbeitsvorstellungen führen lässt, die von den Philosophen seit Erfindung der Disziplin aufgestellt wurden (und ist mitnichten ein Managementbuch, das war aber vielleicht besser so). So lernt man (als Nichtphilosoph), dass schon Thomas Morus Ideen zum bedingungslosen Grundeinkommen formuliert hat (Utopia), dass Marx eine ziemlich ganzheitliche (fast bohemiensche) Arbeitsvorstellung hatte und das gute Arbeit nicht durch rein finanzielle Aspekte definiert werden kann. Siehe oben. Dass man sich eine Arbeit als Praxis (das wiederum klingt fast wie Yoga) zu eigen machen sollte, es auf soziale Wertschätzung (beispielsweise von  Müll entsorgen, Putzen , und Fürsorge für Kinder, Kranke und Alte) ankommt und darauf, welches Bild man eigentlich selbst von seiner Arbeit hat. Dass sinnlose Arbeit Zeiterschwendung ist und dass ebendas uns Lebenszeit klaut. Das wir sozusagen einen neu formulierten Gesellschaftsvertrag brauchen. Natürlich kann man kommen und sagen, mit ein bisschen Nachdenken wäre man darauf auch schon gekommen. Ist man aber wohl nicht, sonst hätte man wohl selbst dieses Buch geschrieben. Hat man aber nicht.

Warum ich mich zur Zeit damit beschäftige habe ich natürlich nicht beantwortet. Aber mein hedonistisches Selbst, das derzeit äußerst vergnügt in die Tasten haut weigert sich in dieser Hinsicht das Pflaster vorm Mund wegzunehmen….

Reuters/Irak

Vor gut zwei Wochen stellte Wikileaks das Video eines US-Militärhubschraubers aus dem Jahr 2007 ins Netz. Zu sehen ist, wie scheinbar bewaffnete Irakis mit einer größeren Offensive aus der Luft bedacht werden. Wer das Video gesehen hat ist, wie auch in verschiedenen Medien berichtet wurde, Augenzeuge einer grotesken Fehleinschätzung geworden, die zum Tod zweier Reutersmitarbeiter führte. Bereits 2008 hatte Reuters versucht, an das entsprechende Material zu kommen, ist aber beim US Militär auf taube Ohren gestoßen. Interessanterweise ist die militärinterne Kopie des Videos zur Zeit nicht aufzufinden, was die leise Frage in den Raum wirft, ob sie überhaupt 2008 dort vorhanden war. Man will ja niemanden der Lüge bezichtigen. Die Frage, die sich zur Zeit bei Reuters stellt ist: Wie ernst meinten sie die Anfrage 2008? Der Gawker schreibt, das Reuters sehr schnell versucht hat, sich des Problems zu entledigen, indem man es ignoriert. Wer will, kann herauslesen, dass sich Reuters nicht um einheimische Mitarbeiter in Krisenregionen kümmert, weil es eben „nur“ Einheimische sind. Das und die Anbiederung an das U.S. Militär wäre fatal, denn es ist nicht der erste Vorfall, in dem einheimische Reuters-Journalisten für Gegner gehalten wurden. Ein bischen Reflektion wäre von beiden Seiten angebracht.

Berlin: Polizeikongreß und Artenschutz

In Berlin läuft ja gerade der internationale Polizeikongreß und gleich am ersten Tag leisten sich die Veranstalter vor versammelter Presse eine Schote sondergleichen.
Da ist der Innenstaatssekretär Ole Schröder (wisst schon, der mit der Köhler…siehe anderer Artikel) gerade dabei eine Rede zu halten, da wird ein Kongreßteilnehmer des Kongreßes verwiesen. Wie auf Netzpolitik zu lesen ist zahlender IT-Experte aus Berlin, der auf Firmenticket anwesend war. Und warum? Weil er CCC-Mitgleid ist und was die Gerüchteküche (sprich Fefe) sagt, weil jemand behauptet, während des 26C3 das Gebäude verwanzt zu haben. Aaaaaaha. Nun ist es ja so, dass die bereits vorher wussten, wer zum Kongreß kommt, also wieso ergeht jetzt erst das Kongreßverbot, nachdem ein Firmenticket für 895.- gekauft wurde (stimmt tatsächlich, steht so auf den Kongreßsseiten…und ich dachte Biokongreße würden von Halsabschneidern organisiert…) und der Teilnehmer namentlich angemeldet wurde? Vor Wochen? Wir sind gespannt auf das Medienecho, war ja genug Presse im Raum.

update: ist wohl nicht so sehr heiß geredet worden. Die Gerüchteküche spricht von einer Entschuldigung seitens der Veranstalter an das entsprchende CCC-Mitglied, offizielle Bestätigungen kann ich allerdings nicht entdecken. Stattdessen das hier. Da wird das ganze auch noch als Sieg über einen geplantne Lauschangriff dargestellt. How stupid can you get!

Auch schön das hier:

Miljö

Was man nicht so alles im Briefkasten findet…Fragebögen zum Milieuschutz. Weil man als Einwohner inzwischen eine bedrohte Art ist. Stimmt ja auch. Leider ist das weniger steigenden Mieten als dem Zuzug vertrottelter Kleinstädter zu verdanken, die glauben sich in der Großstadt alles leisten zu können. Oder ihr Kleinstadtleben weiterführen zu können. Dass das (neben steigenden Mieten) natürlich vor allem Unwohlsein verbreitet, haben sie leider vergessen zu erfragen. Schade eigentlich, so wird auch eine Abteilung für Stadtentwicklung nicht schlauer.