Steven Kotler: The Rise of Superman

Warum liest man dieses Buch? Na weil man wissen will, wie man ohne Ablenkung arbeiten kann, wie man in diesen Zustand kommt, den sowohl Menschen beim Meditieren, beim Coden, bei extremen Sportarten erreichen. Weil einen die außergewöhnlichen Leistungen faszinieren, die mit Flow einhergehen. In Kotlers Buch finden sich Geschichten über Geschichten aus dem Lager der Extremsportler, die einen dazu bringen möchten, sofort einen Wingsuit zu besorgen udn loszulegen, schließlich lebt man nur einmal. Und da tut sich das erste Hindernis auf: Wie kommt man eigentlich in diesen Flow, die Zone… das etwas, das einen losgelöst von allem die unmöglichsten Dinge machen läßt?

Kotler fasst erstaunlich rigoros zusammen, was wir alle wissen: von  nüscht kommt nüscht. Flow kann offenbar auch von den krassesten Athleten nur innerhalb eines Zyklus aktiviert werden, der aus den immer gleichen Dingen besteht: Vorbereitung, Loslassen, Flow, Regeneration.

Die Vorbereitung ist das, was ich gerne abkürzen möchte, was manche Menschen Drogen nehmen läßt, weil der Flow so schön ist (und die meisten bewusstseinserweiternden Drogen genau das ansprechen, was im Flow wichtig wird: Norepiephrin, Serotonin, Endorphin und Dopamin). Es ist die harte, manchmal lange, konzentrierte Arbeit an dem Problem. Das jahrelange Meditieren der Mönche, die physische Verausgabung von Ausdauersportlern, das genaue Studium von Bewegungsabläufen bei Extremsportlern (weil jeder Fehler tödlich ist) und Denkablufen (Schachspieler, Programmier). Die Vorbereitung, die zur Internalisierung von Information führt, so dass man sich in der Endsituation auf seine Fähigkeiten und Erfahrungen verlassen kann. Das Buch gibt leider kein Protokoll, wie dieser schwierigste Teil des Zyklus abzukürzen sein könnte, allerdings einige Tricks, die gegebenenfalls helfen: Risiko (für die Aufmerksamkeit), Neuheit (für die Kreativität). eine 4% konstante Überforderung der eigenen Fähigkeiten (aber wer von uns kennt schon seine genauen vier Prozent? )

Das Loslassen ist das, was in einem meiner älteren Beiträge schonml zur Sprache unter dem Stichwort „diffuses Lernen und Chunking“ zur Sprache kam. Es ist eigentlich ein Teilbereich der Vorbereitung und betrifft die Internalisierung von neu gewonnener Information.

Beim Flow wird es dann interessant, denn hier wird ein Teil des präfrontalen Kortex abgeschaltet und dank zuvor gewonnener Erfahrung und Fähigkeiten ist man frei im tun und dennoch hochkonzentriert. Im Hirn herscht ein Wechselspiel von hohen theta-wellen (typisch in Meditation und REM-Schlafphasen) und niedrigen alpha-Wellen (wach und entspannt) vor die immer wieder von gamma-spikes (bündelung von Ereignissen) unterbrochen werden. Wie lange der Zustand aufrecht erhalten werden kann scheint individuell sehr unterschiedlich zu sein, im Buch werden einige Stunden bis zu Tagen vom Auter angeführt.

Dann ist irgendwann der Flow vorbei und man muss regenerieren. Gut. Soweit alles klar

Und was sagt einem als Leser das? Neben faszinierenden Geschichten leider nicht viel mehr, als  vorher bekannt war. Allerdings macht das Buch Lust darauf, mehr in die Materie einzusteigen. Muss doch nochwas gehen…

 

 

 

Scanner und Top Ausreden und Motivase im Februar

Ich habe eine neue Ausrede, warum dieses Blog immer um alle möglichen Themen kreist, ohne sich festzulegen*. Wahrscheinlich bin ich nicht etwa un()Lieblingsadjektiv bitte hier einfügen), sondern einfach ein Scanner. Jemand, den Barbara Sher, die diesen Persönlichkeitsbegriff geprägt hat als jemanden definiert, der sich für alles irgendwie interessiert, sich aber nicht entscheiden kann. Eine Einführung zum Begriff findet sich sowohl auf Shers Webseite, als auch im eigens eingerichteten Youtubekanal (siehe unten). Ich gebe zu, dass ich ein bisschen skeptisch bin, aber was Sher vorliest, klingt exakt nach meinem ersten Tag in der Uni.

In diesem Zusammenhang (sich nicht entscheiden zu können), habe ich mir mal den Spaß erlaubt eine Liste der Ausreden zu erstellen, warum ich bei bestimmten Vorhaben (was man eben so macht um Silvester herum) nicht so vorwärts komme, wie ich gerne möchte. Dann habe ich die mal mit einer Liste der faulen ausreden abgeglichen, die ich bei so´nem Coach** gefunden habe und wirklich erschreckende Übereinstimmungen festgestellt (also alle minus vielleicht zwei. Von top 7) . Ärgerlich, vor allem, wenn einem dann erzählt wird, das seien alles faule Ausreden. Aber was tun, wenn die eigene Motivation im Keller ist? Wo hol ich mir Motivase, die auch langanhaltend ist?

Ohne wirklich überrascht zu sein, wird man bei Youtube ziemlich schnell fündig. Auf dem Kanal  von Tom Bilyeu gibt es eine Menge Videos, die man bei nicht allzu konzentrationslastigen Arbeiten des Alltags hören kann und  bislang haben die sich (wahrscheinlich wegen der gepfefferten positiven Ansichten) als überaus hilfreich erwiesen, insbesondere die langen Interviews der Impact Theory Playlist, bei denen man durchaus Gesprächspartner mit merkwürdigen Ansichten zu Wort kommen lässt. Aber die Videos erfrischen und motivieren tatsächloch.

Woran es noch hakt, ist eine entsprechende Motivase und Hilfsmittel, wenn man sich mal wirklich tief konzentrieren muss. Stille funkitoniert, aber nur eben, wenn es still ist. Selbst diesen Beitrag schreibe ich mit Kopfhörern, obwohl um mich herum eine ruhige Umgebung ist. Einige Tage lang habe ich mit MyNoise herumexperimentiert und bin recht zufrieden damit gewesen. Allerdings haben bestimmte Geräusche auffällige Repetitionsschleifen, die, wenn man ein Ohr dafür hat, ziemlich auf die Nerven gehen. Und ganz ausschalten läßt sich der Lärm der Arbeitswelt eben auch nicht. Und motivierend ist eine erzeugte Geräuschskulisse leider auch nur begrenzt. Hier besteht also noch großer Optimierungsbedarf.

Trotzdem aber geht es in diesem Jahr eher vorwärts, als zurück, zumindest in den ersten Monaten des jungen 2018.

 

*Übereinstimmungen mit anderen Aspekten aus dem Leben des Autors basieren natürlich auf reinem Zufall
** Keine Werbung. Ich  war nur zu faul, die Liste noch einmal abzuschreiben um dann doch noch einmal darauf verlinken zu müssen… wegen der Quellenangabe. wisst schon.

Cal Newport: Lernstrategien, Arbeitsphilosophien

Im Laufe frustrierender Arbeitsabläufe habe ich mich des öfteren gefragt, woran es eigentlich liegt, dass nichts vorwärts geht, wenn nichts vorwärts geht. Liegt es nun am Großraumbüro? Am Wetter? Am Tagesablauf? Eines der Bücher, die ich in den letzten Wochen zu dem Thema gelesen habe, ist Deep Work: Rules for Focused Success in a Distracted World von Cal Newport. Dazu gibt es ein Inverview auf youtube, das den Inhalt ziemlich gut zusammenfasst (s.u).

Darin beschreibt Newport unter anderem Regeln, die es einem erlauben sollen, sich Räume konentrierten Arbeitens zu schaffen um die Sachen voranzutreiben, die einem wichtig sind, ohne das man ständig unterbrochen wird. Oder besser gesagt, ohne dass man sich selbst ständig unterbricht. Wie auch Simon Sinek in seinem Buch „Why leaders eat last“ beschreibt, lassen wir uns nur allzu gern ablenken. Sind abhängig vom akustischen „brrr“, „zing“, „swoosch“ und visuellem Gezappel. Diese sind eng mit positiven Rückmeldungen für vermeindlich wichtige Dinge, meist aber eher unwichtigen Krempel (löschen von Werbeemails o.ä) besetzt. Ein bisschen Pawlov. Es ist daher wichtig, sich Freiräume zu schaffen, in denen man genau davon nicht behelligt wird. Das ist theoretisch jedem klar, aber wie macht man das praktisch?

Newport beschreibt in seinem Buch räumliche, zeitliche und sagen wir methodische Ansätze, wie man sich in einen Zustand konzentrierter Arbeit versetzen kann. Interessant daran ist, dass er häufig darauf verweist, dass unsere Konzentration begrenzt ist. Es ist nicht möglich, den ganzen Tag über mit gleichbleibender hoher Konzentration zu arbeiten. Daher fand ich das Konzept des loggens von „Tiefenarbeit“, von Stunden oder Minuten konzentrierter Arbeit für mich interessant, denn dadurch bekommt man genau die positive Rückmeldung, die einem sonst ein „swoosch“ gegeben hätte. Ein echter Augenöffner waren für mich apps, die quasi einer Browserkindersicherung gleichkommen: zu bestimmten Zeiten, wenn man arbeiten möchte, können bestimmte verführerische Websites, auf denen man sich sonst festliest, nicht aufgerufen werden. Natürlich kann man dazu sagen, „Ich brauche so etwas nicht, ich kann jederzeit aufhören zu lesen/kucken/…“… Ja und am Ende ist wieder der halbe Tag bei youtube verdaddelt und man fühlt sich ausgelaugt, wie nach einem Marathon.

Fazit: Gutes Buch, hilfreich.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=S9K4_3BZz8s[/youtube]

Mind Palace anschaulich

In einem der Artikel dieses Jahres habe ich mich ja mit Lernstrategien und Kreativität beschäftigt. Keine schlechte Idee, dachte ich, denn was ist besser, als in weniger Zeit mehr zu lernen? Aber aus den Videos bei Coursera wie auch aus Büchern wie Mind hacks ist zwar die Theorie ganz gut ableitbar, jedoch nicht, wie man es praktisch wirklich umsetzen kann. So fängt man zwar mit viel Enthusiasmus an, scheitert aber schon an der ersten Hürde und fühlt sich wieder auf Punkt 0 zurückgeworfen.

Jetzt bin ich zumindest einmal über einen TED-Talk gestolptert, der das etwas anschaulicher beschreibt und mit dem Publikum zusammen ein paar Assoziationsketten baut.Und interessanterweise (ich schreibe diesen Eintrag einen Tag nach Anschauen des Videos): Die Assoziationen funktionieren immernoch. Hier also zum anfangen und Strategiegeben: Mind palace anschaulich, vorgestellt vom schwedischen Gedächtnismaster Idriz Zogaj.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=9ebJlcZMx3c[/youtube]