Mind Palace anschaulich

In einem der Artikel dieses Jahres habe ich mich ja mit Lernstrategien und Kreativität beschäftigt. Keine schlechte Idee, dachte ich, denn was ist besser, als in weniger Zeit mehr zu lernen? Aber aus den Videos bei Coursera wie auch aus Büchern wie Mind hacks ist zwar die Theorie ganz gut ableitbar, jedoch nicht, wie man es praktisch wirklich umsetzen kann. So fängt man zwar mit viel Enthusiasmus an, scheitert aber schon an der ersten Hürde und fühlt sich wieder auf Punkt 0 zurückgeworfen.

Jetzt bin ich zumindest einmal über einen TED-Talk gestolptert, der das etwas anschaulicher beschreibt und mit dem Publikum zusammen ein paar Assoziationsketten baut.Und interessanterweise (ich schreibe diesen Eintrag einen Tag nach Anschauen des Videos): Die Assoziationen funktionieren immernoch. Hier also zum anfangen und Strategiegeben: Mind palace anschaulich, vorgestellt vom schwedischen Gedächtnismaster Idriz Zogaj.

Brainstorm

Manchmal gibt es solche Wochen in denen man gefühlt nichts schafft, obwohl man sich jeden Tag am Arbeitsplatz einfindet und tatsächlich die ganze Zeit mit der Analyse von Dingen beschäftigt ist. Allerdings schweifen die Gedanken immer wieder woandershin, am reflektiert alles, was noch so auf dem Rechner herumgeistert und stellt fest, was man eigentlich alles sonst noch machen wollte. Schade nur, dass man so wenig Zeit hat. Naja. Wahrscheinlicher ist wohl, dass man die Zeit, die man hat nicht so nutzen kann, wie es einem vorschwebt, konzentriert genug arbeitet, um in der freien Zeit, die einem bleibt sich wirklich mit den Dingen zu beschäftigen, die einen sonst noch so interessieren. So geschehen in der letzten Woche, was mich dazu brachte, ein wenig im Netz herumzuklicken und mich endlich mit dem Buch „mind performance hacks“ zu beschäftigen, dass seit Jahren mehr oder weniger ungelesen auf einem der Bücherstapel „noch zu lesender Bücher“ lag.

Gut. Was sagt uns das Internet? Da ich schnelle Lösungen bevorzuge, die mir in kurzen und knappen Worten eine Quasigebrauchsanweisung in die Hand geben habe ich meine Suche nur ein paar minuten durchgeführt, bin aber immerhin auf zwei halbwegs brauchbare Seiten gestoßen. Man mag das, was Rohin Bind und John Wesley schreiben für ziemliche Allgemeinplätze halten, aber letztlich sind es ja oft diese Allgemeinplätze, an die wir uns so oft nicht halten. Zusammengefasst geht es um:

1. „allgemeine Lebensführung“
Was uns seit Jahren ein schlechtes Gewissen macht: Gesunde Ernährung und genügend Bewegung. Aber es kommt insofern hin, als dass man besser arbeiten kann, wenn man nicht schwer gegessen hat. Ach, echt? Ja, ach echt! Blöd nur, wenn die einzige Möglichkeit, was in den Magen zu bekommen die schreckliche Mensa oder das typisch deutsche Restaurant ist, was? Da meine eigenen Arbeitsoptionen eher suboptimal sind, bin ich sowieso dazu übergegangen, Essen selbstmitzubringen, da erübrigt sich dann das deutsche in Soßen ertränkte fette Fleisch und zerkochte Gemüse. In dieser Hinsicht kann ich nur sagen, dass es sich lohnt, denn gutes Essen macht auch gute Laune und wenn das Mensaessen unerträglich schlecht ist, daher alles andere Essen mindestens um 100% besser ist, kann die daraus resultierende gute Laune (außerdem isst man weniger, denn man will nicht so viel mitschleppen) durchaus einen positiven Effekt auf das Arbeitsklima haben. Zum zweiten Punkt: Ich arbeite seit einiger zeit in einer Umgebung, in der zumindest sagen wir zwei Drittel der Angestellten irgendeinen Sport machen oder irgendeinen bewegungstechnischen Ausgleich. Und selten habe ich so ausgeglichene, fokussierte Menschen erlebt, wie dort. Dagegen bin ich eher ein mal hier mal dort Beweger, trotzdem macht es sich bemerkbar, dass ich seit einigen Wochen in dieser Hinsicht ein wenig kürzer treten muss (was sich wohl bald wieder ändern wird). Auch wenn man damit wie ein Sektierer des körperbetonten Hedonismus wirkt: Ja, Sport macht ausgeglichener, fokussierter (und, wie gutes Essen, gute Laune). Davon abgesehen sollte man sich genug Ruhe gönnen. Also keine Arbeit mit nach Hause nehmen, auch wenn es so aussieht, als ob alle es so machen. Über letzteres ist in den letzten Jahren auch immr wieder in den Medien berichtet worden. Dass Arbeitgeber offenbar selbstverständlich davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer (nennen wir ihn Doktorand oder Postdoc) natürlich auch zu Hause sich mit den wichtigen Sachen beschäftigt. Vorgeblich um die Chance zu nutzen, die einem der Job gibt…und sicher gibt es genug Menschen, auf die diese „Chancennutzung nonstop“ auch zutrifft. Den Rest macht es aber mehr kaputt, unter dem Zwang zu stehen, nicht abschalten zu dürfen, 12h und mehr sich mit dem Projekt beschäftigen zu müssen. Dies führt letztlich und davon kann sicher jeder Wissenschaftler an einem bestimmten Punkt seines Daseins ein Lied singen zu unendlicher Müdigkeit, Zerstreutheit und dem Gefühl, endlos überfordert zu sein, denn was immer man macht: Es hört nie auf. Sich die Zeit zu nehmen zu sagen: Es hat zu einer bestimmten Zeit aufzuhören, dient letztlich der eigenen Gesundheit(1).

2. „strukturiertes Arbeiten“
Klingt eigentlich einfach, aber ist dennoch schwer durchzuführen, wenn man nicht gerade an zeitabhängigen Aufgaben (Experimente, Abstimmung von Gerätebelegung mit Kollegen ect.) sitzt: Man solle sich einen Plan machen, was man machen will. Am besten bereits am vorherigen Abend (ok., das mach ich so gut, wie nie), am besten mit zeitlichem oder hierarchischem Verlauf. Was ist am wichtigsten, was benörigt mehr Zeit, was kann man sofort erledigen-diese Fragen sollte man sich stellen und danach seinen Arbeitspensum ausrichten und aufstellen, was man wann und ungefähr in welcher Zeit schaffen will. Gut, ich habe es ausprobiert und ja, es funktioniert. Das Problem ist tatsächlich, sich an die Pläne zu halten, die man schmiedet und sich nicht ablenken zu lassen von den allseits beliebten Umgebungsvariablen.

3. „Umgebungsvariablen“
Früher, als unsere Eltern noch arbeiteten war es fast undenkbar, auf Arbeit anzurufen, es sei denn, es handelte sich um etwas gravierendes, wichtiges. Heute sieht das anders aus, ich kenne etliche, bei denen das private Umfeld auch zu Arbeitszeiten mailt, anruft, chattet, twittert…und selten hat man die Möglichkeit, sich dem gründlich zu entziehen, denn auch wenn sie einen bei der Arbeit stören, irgendwie mag man es ja, mit privater Aufmerksamkeit bedacht zu werden und man will ja auch niemanden vor den Kopf stoßen. Was hilft ist, sich dazu zu disziplinieren, nur in genügend großen Abständen in Mails zu sehen, diese zu Filtern, wenn man keine getrennten Konten hat, die privaten chatumgebungen offline zu setzen und persönliche Anrufe aktiver und passiver Natur einzuschränken. Natürlich begehrt der innere Schweinehund gerade auf, ich solle das doch erst einmal vormachen, bevor ich das als funktionierendes dingens in den Blog stelle…sagen wir, ich arbeite daran.

5. „Lieblingsarbeitsplatz“
Ich will nicht überheblich sein, es gibt sicher viele Menschen, die ihre Arbeit um des Geldes willen betreiben müssen um zu überleben, aber viele von uns sind eigentlich in der Position, dass sie das tun, was sie vor Jahren mit Elan angefangen haben zu studieren. Wir sollten unsere Arbeit lieben, das Projekt an dem wir sitzen. Hinter dem stehen, was wir erforschen, auch wenn der Weg manchmal steinig und mühsam und zäh ist. Letztlich haben wir oft das große privileg trotz befristeter Verträge und mieser Bezahlung das zu machen, wofür wir uns einmal entschieden haben. Nicht dass ich mir damit was vormachen will, denn es gibt immer irrsinnig stupide Dinge zu erledigen, Sachen, an denen man nicht weiterkommt. Dass die Einstellung trotzdem das ist, was freiwilliges Arbeiten von Zwang trennt ist trotzdem unbestritten. Nicht, dass ich dabei besser wäre als andere…
In diesem Zusammenhang hat Rohin Bind interessanterweise geschrieben, dass wir innerhalb unserer Planung auch Raum für ebensolche stupiden repetitiven Arbeiten schaffen müssen, eine innere Einstellung eben gerade dafür, damit wir diese Arbeiten schnell und sauber erledigen könnnen um dann wieder interessanten Thematiken hinterherjagen zu können. Was einen dann am Arbeitsplatz halten kann ist die richtige Umgebung: der Lieblingsarbeitsplatz, an dem alles was man braucht vorhanden ist, so dass man nicht ständig in der Gegend herumrennen muss. Vielleicht Musik oder ähnliches, um einen am Platz zu halten. Das hab ich ausprobiert und es funktionierte letztlich ziemlich gut, denn irgendwann war ich fertig mit den stupiden Dingen und blickte ziemlich erstaunt auf die Uhr.

Zu bestimmten praktischen Angelegenheiten innerhalb der Arbeitsorganisation hab ich dann einige „hacks“ aus dem oben genannten Buch ausprobiert (ich bin noch lange nicht durch, vielleicht schreibe ich an anderer Stelle noch einmal mehr darüber). Sehr günstig, weil die Gedanken eben doch immer mal wieder abschweifen fand ich den recht simplen Vorschlag, dann eben doch immer alles aufzuschreiben oder zumindest kurz zu notieren, wenn einem etwas einfällt (hack #13). Damit man das halbwegs strukturiert tun kann schlug Evans ein dreispaltiges System vor: subject (übergeordnetes Thema), hint (passende Stichworte) und idea ein kurzer Umriss der Idee, die man hat. Die gewonnenen Ideen könne man dann von Zeit zu Zeit sortieren und zusammenführen und sehen, ob was brauchbares bei herauskommt ohne sich im laufenden Arbeitsprozess mit diesen Dingen herumschlagen zu müssen. In diesem Zusammenhang passte auch der hack #16 (map your mind). Dort wird vorgeschlagen ein graphisches Abbild von Ideen zu schaffen, ähnliches und zusammengehörendes näher zusammen, entferntes und Dinge ohne Zusammenhang weiter weg. Ein wenig hat mich das in der Darstellung an die Soziogramme von Mark Lombardi erinnert und letztlich sind es diese hacks, auf denen der aktuelle und recht lange Blogpost basiert. Wie auch immer die Qualität dessen gerade sein mag, aber fürs schreiben hat es hier geholfen. Genauso, wie der letzte Hack (#18), den ich kurz ansprechen möchte: sich selbst Deadlines für gesammelte Informationen zu setzen. Im Grunde geht es darum, eine Pufferüberlaufzu verhindern. Gesammelte Informationen eben nicht für immer in einen Ordner zu legen, in der Hoffnung, das irgendwann gebrauchen zu können(2).

Soweit es geht, werde ich mich ein wenig weiter mit diesen Methoden beschäftigen, zumindest aber, nachdem ich eine halbe Woche auf dem geistigen trockenen saß habe ich unter Anwendung der oben beschriebenen Methoden doch irgendwie das Gefühl, dass es wieder weitergeht. Mal sehen, in welche Richtung es mich hier weiter verschlägt.

(1) Wobei einem ja gerade auch dann die besten Ideen kommen, wenn man sich entspannt it etwas völlig anderem beschäftigt (es gab diesen xkcd-Comic mit der Fibonacci-Reihe…)
(2)Ich habe diesen Ordner, wo unglaublich viele links aus den letzten Jahren liegen, die ich irgendwann einmal verbloggen wollte…