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Posted in Kunst/Kultur, Notizen on August 22nd, 2012 by xipulli

Wenn man genug Stunden vor dem Arbeitsrechner verbringt, fallen einem völlig dumme Dinge ein. Zum Beispiel Kartina and the waves. Wer hätte gedacht, dass dieser doch recht harmlose Bandname ein paar Jahre später eine solch makabere unterschwellige Bedeutung erfahren könnte?
Trotzdem ohrwurmkompatibel.

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how sweet the moonlight

Posted in Kunst/Kultur on August 7th, 2011 by xipulli

Der Sommer ist verregnet genug, um zu reflektieren, wie sehr man in dem stagniert, was man tut. Und weil dem so ist, sucht man sich Ventile, es zumindest nicht so erscheinen zu lassen…zum Beispiel wollte man schon immer mehr über Kunst wissen..

Ernst Gombrich hat mit der “Geschichte der Kunst” vielleicht DEN Klassiker zur Einführung in die Kunstgeschichte geschrieben und das bereits 1950. Die internationale 16te Ausgabe, die ich in den Händen halte ist gegenüber der Erstausgabe mehrfach umgestaltet und erweitert worden, zum Teil vereinheitlicht (in den vorherigen deutschsprachigen Ausgaben wurde dem deutschsprachigen Raum ein wenig mehr Platz eingeräumt). Darüber wollte ich aber gar nicht schreiben. Was zu dem Buch vielleicht interessant ist ist: Es lohnt sich wirklich, auch wenn man häufig der Meinung sein könnte, Bücher, die stark beworben werden und einem als DIE Werke zum Thema aufs Butterbrot gestrichen werden, sind eigentlich nur Produkte einer bestimmten gezielten Verlagswerbung. Nunja. Hier trifft das nicht zu. Die Kapitel sind vergleichsweise kurz und übersichtlich, sehr nah am neugierigen Leser geschrieben und wenn man nicht Gefahr liefe, alles, was man gerade mit großem Ach und Achso gelesen zu haben wieder zu vergessen, könnte man es wahrscheinlich recht schnell lesen. Es bleibt erstaunlich viel hängen und man bekommt als Leser einen Eindruck des “Warum-Darum”, den man bei anderen beschreibenden Werken sicher nicht hat. Zum weiterlesen (Gombrichspezifisch) lohnt es sich, einmal in dieses Archiv hineinzuschauen, dort gibt es einen Haufen weiterer lesenswerter Artikel von ihm.

Wie man so vor dem Rechner sitzt hat man auch Zeit, anderes zu klicken, und weil es einer bestimmten Stimmung geschuldet ist, landet man schnell bei Andreas Scholl, dessen Stimme und Einspielungen vielleicht am besten zu diesem Sommer passen.

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Yakov Kreizberg

Posted in Kunst/Kultur on März 15th, 2011 by xipulli

Es war vor sagen wir 12 Jahren, als ich entdeckte, dass Chorsingen manchmal viel größer ist als nur mit Kammerorchester. Wir sangen Mahlers zweite Sinfonie zusammen mit dem Ernst Senff Chor und dem Weltorchester Jeunesses Musicales, erst in einer Werfthalle in Wolgast, dann in Berlin. In Wolgast war es so kalt, dass wir die Mäntel während der Aufführung nur zum singen auszogen, und die Tür hinter der provisorischen Bühne funktionierte nur von innen, daher mussten wir 20 min auf die Solisten warten, ehe sich jemand erbarmte um sie einzulassen. In Berlin war die Philhamonie ausverkauft und ich sang zum ersten mal vor 2400 Menschen. Die erste Probe fand in einem (gemessen an der Menge an Chorsängern) winzigen Raum statt, mit Klavier und Dirigenten. Ich saß ich der dritten Reihe und war zum ersten Mal mit Yakov Kreizberg, einem echten “Orchesterdirigenten” konfrontiert, jemand, der erwartet unmittelbar einen Ton zu hören, wenn er die “Eins” gibt. Jemand, der mit einer bisher nicht erfahrenen Leidenschaft, Gelassenheit und Erfahrung dirigierte, kleinste Nuancen verstand zu vermitteln und wenn nötig, 40 Stimmen mit dem kleinen Finger dirigierte. In wenigen Proben verstand er es zu vermitteln, was er auf der Bühne sehen mochte und das zudem auf höchst symphatische Art und Weise. Beide Konzerte waren großartig, der Applaus für Chor, Orchester und nicht zuletzt den Dirigenten verdient, die Stimmung euphorisch und erhaben. Noch nach Jahren trage ich eine Reminiszenz dieser Abende, jedes Mal, wenn ich eine Bühne betrete um ein Konzert zu singen.

Yakov Kreizberg dirigierte über Jahre das Weltorchester Jeunesses Musicales, war bekannt in Berlin und Wien als außerordentlicher Musiker und Dirigent. Leider viel zu früh verstarb er heute nach langer Krankeit in Monaco.

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Post-Penderecki

Posted in Notizen on November 14th, 2010 by xipulli

Das Großprojekt. Endlich, nach anderthalb Stunden, hört den Schlußakkord verklingen, denkt sich gerade noch “geschafft?” und wundert sich bereits, dass es schon wieder vorbei ist. Penderecki hört man in Berlin nicht alle Tage und (Eigenlob stinkt, aber was solls) allzu schlecht waren wir nicht. Die Zusammenführung der beiden großen Laienchöre Berlins unter einem Dirigat war von Erfolg gekrönt, denn Orchester, Solisten und auch das Publikum schienen zufrieden. In der Presse gab es immerhin zwei Rezensionen (die vom Tagesspiegel ist zugegebenermaßen ein bischen kurz) und letztlich kann man ganz zufrieden sein.

Interessant ist, was bleibt: Jedesmal, wenn eine Frauenstimme in der Straßenbahn kichert zählt man automatisch Triolen und vervollständigt die Linie nach oben oder unten. Auf dem Fahrrad singt man statt der üblichen Standards Freejazz. Kleine Terzen sind plötzlich ein echtes Problem, komischerweise sitzen die Tritoni nun wunderbar. Und wenn mehrere Autos gleichzeitig hupen finden wir, es wäre doch ein schöner Cluster, der so gut zum nebligen Novemberwetter passt.

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ganz ehrliche Werbung

Posted in Kunst/Kultur on Oktober 28th, 2010 by xipulli

Seit Wochen überlege ich, wie man den Musikliebhabern der näheren und entfernteren Umgebung ein neues Konzert schmackhaft machen kann. Dabei fängt man unweigerleich an, über die politische Bedeutung des Stückes zu palavern, die aufbautechnische Ähnlichkeit mit Verdis Requiem herauszustellen und überhaupt zu sagen, neue Musik wird sowieso viel zu wenig gespielt. Nur schade, dass neue Musik so schwierig zu hören ist. Dessaus deutsches Miserere ist zugegebenermaßen nur einfach zugänglich, wenn man die visuelle Performance dazu sieht, Katzers Medea nur, wenn man das Buch von Frau Wolf vorher schon gelesen hat, Lens(s) Akasha chronicals nur, wenn man weiß, dass das Ding mit Bühne gedacht ist und auch  Nystedts missa brevis erschließt sich einem nicht unwillkürlich, sondern erst nach Arbeit AM Stück. Für die Aufführenden ist das eine wundervolle Herausforderung, voll von Sprüngen, unerwarteten Phrasen, ein Krimi auf der Bühne, denn vielleicht gibt es eine Auflösung, vielleicht auch nicht. Vielleicht versagt die eigene Stimme auf der hohen Note, die man aus dem Cluster kaum noch herauszufiltern weiß, vielleicht versinkt alles ein Chaos, aber vielleicht bekommt man seinen Einsatz aus dem Nichts (der Ton wird irgendwo von der kleinen Trommel gegeben, die gegenüber auf der Bühne pianissimo spielt). Nach ein paar Monaten Probenarbeit erahnt man, dass es hinter dem ganzen musikalischen Gebrüll eine Struktur gibt und diese zum Teil schönste Wendungen produziert, würde man sich nur die Zeit nehmen, sich darauf zu konzentrieren. Machen wir uns nichts vor, das meiste an neuer Musik verlangt vom Publikum wie von den Ausführenden Arbeit und irgendwie möchte man dem Don (mal wieder) zustimmen, wenn er  daher neue Musik als Geblubber für die gehobenen Kreise und vor allem zur Absetzung von den unteren charakterisiert. Das ist alles keine leichte Musik, die man nebenbei hören kann und aus der man Ohrwürmer mit in seine Träume nimmt.

Trotzdem: Es wird ein großartiges Konzert. Die Aufführenden werden polnische Geschichte atmen und wenn das Publikum möchte, atmet es mit. Der geübte Hörer neuer Musik wird ein Puzzle zum basteln haben und der ungeübte eine Gruselgeschichte, die einen schon wegen der Wucht der Instrumente und der Chöre mitreißen wird. Es wird eine Arbeit für das Orchester, die Chöre, die fabelhaften Solisten und den Dirigenten, nicht zuletzt auch für das Publikum, aber es lohnt sich, denn es ist ein Stück Zeitgeist. Zerrissen, harmonisch, voll Unsicherheit und Überheblichkeit der Geschichte gegenüber. Am 12.11. ist Aufführung.

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