Grüne Gentechnik Crux

Immer, wenn der Zeitungsstapel einen kritischen Höhegrad überschreitet, bin ich gezwungen, bestimmte Dinge neu zu sichten. dabei kam mir ein alter Artikel aus der Zeit * in die Hände, in der Frau Nüsslein-Volhard dem Kolumnenkoch Siebeck grüne Gentechnik erklärt. Keine Frage, diese Antwort auf einen „gegen-Gentecknik“-Artikel in Siebecks Kolumne ist keine schlechte einführung erstmal, krankt aber daran, dass Frau NV sich im Zuge der Einführung ungemein gefprdert fühlt, grüne Gentechnik als a) vom Kunden gewünscht ( bessere Produktqualität), b) ökologisch besser darzustellen und c) die Zielsetzung  der Hersteller in Schädlingsbekämpfung und Bekämpfung des Hungers der Welt zu sehen. Das mit dem Kunden kann man irgendwie nachvollziehen, eben wegen der besser schmeckenden Sorten. Letztlich ist es auch sicher „humaner“, wenn man von sowas bei Pflanzen sprechen kann als herkömmliche Züchtungsmethoden (viel chemie und viel UV…irgendwas tolles wird sich schon ausmutieren) und da Resistenzen gegen Schädlinge zu vermindertem ~zideinsatz führen kann man sichh schon den Bären aufbinden lassen, dass diese Sorten eine bessere Ökobilanz zeigen. Und ertragreichere Getreide bei armen Böden sind sicher gut für die dritte Welt, nicht?

Nun ja. Leider ist das alles nicht ganz so. Ein anderer Artikel in der Zeit (den ich gerade nicht mehr wiederfinde) beschrieb das Dilemma eines afrikanischen Bauern, der gern seine Produkte verkaufen würde, um davon zu leben, der aber durch die massiven westlichen Hilfslieferungen zu so kleinen Preisen gezwungen wird, dass er letztlich eben nicht davon leben kann, und das, obwohl die Kunden genug Geld hätten, seine Produkte zu kaufen. Nur eben sind Hilfslieferungen billiger. Überhaupt ist es so, das GMOs vornehmlich eben nicht in Drittweltländern angebaut werden, sondern in westlichen Industrieländern, ganz vorne den USA. Mit dem effekt, dass hier massiv überproduziert wird. ein teil dieser Überproduktion kann gegebenenfalls in die Biospritproduktion laufen (jaja, der westen verfährt im wahrsten sinne des Wortes seine Lebensmittel), der Rest wird jedoch in vorgeschobener Entwicklungshilfe  weiterverteilt.

Nun haben also ein paar Bauern in Afrik- od Americo ein paar Säcke sagen wir Mais bekommen zu einem Spottpreis  (wird trotzdem ihr komplettes Einkommen sein) als Hilfsgut. Vielleicht kommen sie auf die Idee, nicht alles sofort zu verbacken, sondern ein Teil davon selbst anzubauen (denn das macht man als Bauer so). Pustekuchen, geht nicht. Denn GMOs, gerade und speziell Pflanzen sind nicht nur mit Markergenen zum aufspüren der genetischen Alterationen ausgestattet (dazu später), nein, die meisten Pflanzen sind Hybride, in der Nomenklatur der Pflanzenindustrie bedeutet das mehr oder weniger: Steril. Aus Maiskörnern von genetisch veränderten Maispflanzen können keine neuen Pflanzen wachsen. Daher bedfinden sich die Abnehmer dieser Körner in einer Abhängigkeitssituation, wenn sie nicht doch irgendwie anderweitig was angebaut haben. So geht das allen Bauern, die regulär gentechnisch veränderte Pflanzen beziehen, die von großen Firmen kommen. Saatgut, das bezogen wird, ist lediglich ein Mal verwendbar, neues Saatgut muss wieder beim Hersteller bezogen werden, dafür geht ein nicht geringer Teil des eingefahrenen Profits drauf.

Zusätzlich kommen ökologische UND wirtschaftliche Probleme, die alle mit einem einfachen Phänomen zu tun haben: Auskreuzung. Pflanzen haben riesige Genome, zum Teil mehrere 100 Chromosomen. Der Austausch von Eigenschaften zwischen verwandten Arten oder angrenzenden Familien ist vergleichsweise einfach, da Pflanzen ähnlich wie Bakterien horizontalen Gentransfer (Gentransfer innerhalb der gleichen Generation) können. So werden häufig Resistenzen auf benachbarte Pflanzen übertragen, eigenschaften, die dickere Früchte bringen, rötere Farbe, süßeren geschmack, dickere Schale…UND die Markergene gleich dazu. In den USA ist daraus ein echtes problem erwachsen, da nach dortigem Recht der Biobauer dem Industriepflanzer nachweisen muss, dass seine Pflanzen den Kram aus versehen aufgenommen haben, sonst kann der Industriepflanzer Entschädigung vom Biobauer fordern. Und damit der hersteller, findet er sein markergen beim Biobauern. Letztendlich geht es also um Geld, nicht darum, den Hunger der Welt zu stillen.

Ökologisch sind GMOs ebenfalls nicht ganz unbedenklich, da sie ja zum Teil robustmachende Eigenschaften übertragen. BT-Mais zum Beispiel trägt ein ein Toxin des B. thuringiensis , das in Insekten zur Zersetzung der Darmwand führt.  Extrem sinnvoll, wenn man die Pflanzen vor dem europäischen Maiszünsler bewahren will, extrem schlecht, allerdings, dass in Pollen und Pflanzensaft ebenfalls das Toxin ist und von Läusen, Bienen, Käfern und ähnlichem Getier aufgenommen wird. Das kann im Extremfall zum Zusammenbrechen von ganzen Ökosystemem in bestimmte Monokulturregionen führen, ist also längst nicht so harmlos, wie zum Teil dargestellt ist.

Weswegen ich überhaupt auf dieses Thema gekommen bin ist diese Seite, die sich mir heute unter die Augen schlich: Eine Auflistung von Funden ungewollter Kontaminationen von Nahrungsmitteln, Pflanzen ect. mit industriell-produzierten Sequenzen. Alles eine ganz schöne Crux, aber die war Frau NV vielleicht beim schreiben ihres Artikels damals nicht bewusst.

* der offene Brief an Herrn Siebeck war auf den zeitseiten nicht zu finden, daher der link von der EB-Tübingen.