Betrug in der Wissenschaft

Im Spon stand ein link zu einer Debatte, in der unter anderem gefordert wird, wissenschaftlichen Betrug unter Strafe zu stellen. Woher kommt überhaupt Betrug, wenn doch die wissenschaftliche Welt einen so großen Wert auf Vergleichbarkeit, Vertrauen in Beweise und den Begriff der Ehre legt? Da das Thema nicht gerade neu ist, gibt es dazu viele Stimmen im Netz, die sehr anschaulich zeigen, wie Wissenschaft heutzutage funktioniert:
Causescience fasst das zum Beispiel so zusammen:

many systemic problems currently plaguing science, that are, and unless remedied, will continue to destroy the innovative productivity of science. This includes the hyper-competitive nature of science that is driven by a winner-takes-all system, which in turn fosters sloppiness/fraud, and supports ‘safe’ rather than truly innovative science.

Wissenschaft, insbesondere Teile der Naturwissenschaften sind immens teuer. Geld bekommt man für neue Projekte nur, wenn alte (gegen Geld) publiziert wurden, Geräte, Methoden, Auswertungen gehen in die zigtausende und im Zweifelsfall ist der Konkurrenzdruck auf bestimmten Themengebieten so groß, dass 5, 6 Labore mit ungefähr der gleichen Zeitplanung an denselben Fragen forschen. Der Druck zu publizieren wird gut in der bekannten Phrase „publish or perish“ zusammengefasst und das zusammen mit den Machtstrukturen innerhalb der Wissenschaft hängt wohl am engsten mit den Betrugsfällen zusammen, die immer wieder entdeckt werden.

Letztendlich liegt vieles also daran, dass Wissenschaft ökonomiesiert wurde und der Trend sich eher ausbreitet, als dass er abnimmt. Solange es in der Wissenschaft um Humankapital, um vermarktbare Produkte, um die enge Koppelung zwischen wissenschaftlichem und wirtschaftlichem Vorsprung, um die zunehmende Privatisierung von Wissenschaft, um den Rückzug staatlich generell verfügbarer finanzieller Töpfe geht; vor allem: Solange Wissenschaftler diesen Zirkus mitmachen und sich in dieser Spirale mitreißen lassen, werden auch Betrugsfälle nicht abreißen.

(Der nächster Beitrag, so er denn fertig wird, wird sich mit Richard Münchs Buch zu globalen Eliten und der Ökonomisierung von Wissen und Wissenschaft beschäftigen.

Open Access

Wie immer, wenn man nicht im Institut ist: Die Überschrift klingt interessant, der Abstract macht Lust auf mehr, ein Klick zum Volltext-und es erscheint eine Zahlungsaufforderung. 25-40$ für einen Artikel, von dem man allerdings nicht weiß: Bringt er jetzt einen weiter, tut er’s nicht oder wiederholt er lediglich an anderen Beispielen, was man bereits fünf mal gelesen hat? Ja, man könnte an dieser stelle sich einfach den link merken und dann eben morgen vom Institut aus…aber darum geht es nicht. Warum muss ich als Wissenschaftler Geld für einen Artikel lassen, für den andere bereits Geld bezahlt haben um ihn einzureichen (und edieren zu lassen und nacharbeiten zu „dürfen“) und für deren Erzeugung eine Menge Geld bereits aus Steuermittelnd fließen musste. Warum kann ich nicht Gut, das aus öffentlicher Hand finanziert wurde öffentlich einsehen? In der Wissenschaftlichen Gemeinde ist es seit Jahren Streitthema, dass hochrangige Journale (oder was man dafür hält) einem das Geld sowohl als Autor, als auch als Leser aus der Tasche ziehen, zum Teil mit unglaublichen Einschränkunge seitens des Lesers (siehe Elsevier). Zum Glück gibt es immer mehr Journale, die open access arbeiten und weil sich andere Leute in der Erklärung besser in Wort und Bild tun als ich, sei hier das verlinkt.

Außerdem als Erinnerung: Es stehen immernoch zu viele hinter Elsevier. Laßt uns das ändern und zusehen, dass Wissen frei zugänglich ist!