Schall

Wir sind 11(+3) im Büro, kriechen uns quasi bereits auf den Schößen herum, laut schallt der Drucker (DER Drucker für alle Computer), das Telephon, die Stimmen der Kollegen. Hier wird Wissenschaft gemacht meine Herren! Hier bei ungezählten Dezibel in 5 verschiedenen Sprachen, dialektisch eingefärbtem Englisch werden gleichzeitig Experimente strukturiert, Klatsch ausgetauscht und Probleme aller Art besprochen. Man sollte froh sein, an einem solchen Ort arbeiten zu dürfen…wenn man sich nur konzentrieren könnte. Kann man, also ich aber nicht. Nun sind Geschmäcker wie Bedürfnisse verschieden, der eine kann im Kreise seiner 120köpfigen Familie immernoch Bestseller schreiben (Precht), der andere braucht den Streß geradezu um zu funktionieren (sicher gehören in diese Kategorie einige der Kollegen). Wieder andere brauchen Grabesstille (Tucholsky, Nietzsche, Laotse und ich)*.

Im Netz gibt es viele, also viele gute Ratschläge**, wie man aus der Not eine Tugend machen kann, von Kopfhörern mit Musik, braunem oder weißen Rauschen bis zu Orts und Zeitenwechseln, einschließlich des Jobwechsels. Andererseits: Alle beschriebenen Methoden hinterlassen in der sozialen Welt, in der wir leben den Eindruck, dass man entweder nicht arbeitet oder arbeiten will (Orts und Zeitwechsel, Jobwechsel) oder seine Arbeit nicht ernst nimmt (Kopfhörer). Das ist beides validierbar. Arbeite ich zu Hause oder zu unchristlichen Zeiten (nachts/frühmorgens) bin ich ja nicht oder nur bedingt anwesend, wenn das andere sind. Wundern tun sich alle, wenn man dann bereits um 15.00 geht und dass man nicht bis 19.00 bleibt. In diesen Zeiten wünsche ich mir fast sowas, wie eine Stechuhr, nur um damit Anwesenheit winken zu können. Kopfhörer sind machbar, aber ab einem bestimmten Dezibelwert wird auch hier nichts gefiltert, geschweige denn übertönt. Die Lösung hieße: Kleinere Büros, aber das geht ja nicht, denn das würde ja Aufwand machen. Morgen ziehe ich wieder in die Bibliothek und hinterlasse Zettel.

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Man muß aus der Stille kommen, um etwas Gedeihliches zu schaffen, nur in der Stille wächst dergleichen.
Kurt Tucholsky, (1890 – 1935 (Freitod))

Die größte Offenbarung ist die Stille.
Laotse, (6. oder 4. – 3. Jh. v. Chr.)

Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille.
Friedrich Wilhelm Nietzsche, (1844 – 1900)

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http://forkartjunkie.hubpages.com/hub/How-to-concentrate-effectively
http://www.wikihow.com/Concentrate-While-There-Are-Background-Noises
http://chatterblocker.com/whitepapers/conversational_distraction.html (!)
http://www.jobacle.com/blog/noisy-office-10-tips-to-help-you-cope.html