von wegen „Bildlich gesprochen“

Ganz kurz: Offenbar ist es so, dass Schriftsteller beim schreiben eher das Sprachzentrum, als visuell assoziierte Hirnregionen verwenden. Eigentlich klar denkt man sich da, oder?

Vielleicht aber auch nicht, denn wer von uns hat beim schreiben nicht den Hinweis bekommen, sich möglichst „bildlich“ auszudrücken. Daraus würde sich doch schließen lassen, dass hier eher eine visuelle Vorstellung dessen von Bedeutung ist, als die Frage, wie das eigentlich „klingt“. Natürlich auf der anderen Seite: Die meisten von uns lesen ja mit interner Stimme, selbst, wenn die um einiges schneller ist, als das, was wir hörbar mit unseren Muskeln erzeugen könnten. Schreiben hat also doch eher was mit virtuellem lesen zu tun.

signifikante Überschrift bitte einfügen: Hier

Hans Peter Roentgen schreibt. Und lektoriert. Und kennt sich aus. Mit diesen drei Sätzen angefangen liest sich Schreiben ist nichts für Feiglinge: Buchmarkt für Anfänger schonmal angenehm leicht, weil man zumindest für die Dauer des Buches die Verantwortung an der Titelseite abgeben kann und sich zu einer vergnüglichen Reise in die Welt ambitionierter Jungautoren macht. Was man eigentlich macht beim schreiben, wo man es lernen kann. Bislang war mir der Unterschied zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Schreibkultur (im professionell lernenendem Sinn) auch noch nicht so geläufig. Jetzt hat Roentgen neben allem nützlichen, was in diesem Buch steht noch eine kleine weitere Ausrede für die, die mit ihrer literarischen Idee schwanger gehen, aber trotzdem nichts anständiges aufs Papier bringen mit auf den Weg gegeben: Wir konnten es doch gar nicht so gut wie die anderen lernen. Nun, inzwischen kann man wohl. Davon abgesehen bietet der Band einen ersten Blick hinter die Kulissen. Worte wie Lektorat und Vertrag im Zusammenhang mit dem Verlagswesen werden ebenso vermittelt, wie Interviews mit „Betroffenen“ also Schriftstellern. Nach der Lektüre schaue ich auf mein Bücherregal mit anderen Augen und habe mir zum Beispiel geschworen, mehr Hardcover zu kaufen, wenn mir der Titel wirklich gefällt, denn davon bekommen Autoren gemeinhin mehr Prozente. Oder doch den Selbstverlegern beim großen Onlinehandel mit dem orangefarbenen Buchstaben eine größere Chance einzuräumen, nicht nur, weil einige davon später „richtige“ Verträge bekamen.