Mythen

Natürlich war ich in den letzten Monaten nicht gerade häufig anwesend, jedenfalls nicht hier. Das lag sicher unter anderem daran, dass ich viel zu viele Bücher auf den Ebookreader meiner Wahl gelegt hatte und erst einen Teil der interessanteren Bücher durchhabe…dazu vielleicht auch in den kommenden Einträgen mehr. Aber zurück zur Anwesenheit: War ich in den letzten Monaten nämlich auch wieder häufiger und das beim Sport meiner (derzeitigen) Wahl. Die Stadt bietet ja so viele Möglichkeiten, dass ich phasenweise immermal in die Versuchung komme, etwas anderes auszuprobieren. Derzeit also eine Sportart, bei der man nicht ständig nach Chlor stinkt und auch nicht Gefahr läuft von rechtsabbiegenden LKWs überrollt zu werden (schaut man in den Polizeiticker, scheint das die Todesursache schlechthin hier zu sein), nein nein. Das ich hier wohl was richtig mache, zeigt mir mein Wohlbefinden, aber natürlich schmiert es einem Honig um den Bart des Gewissens, wenn andere das genauso sehen. Zum Beispiel- und da wären wir bei den Büchern, die ich derzeit lese:

Gretchen Reynolds: The First 20 Minutes: Surprising Science Reveals How We Can Exercise Better, Train Smarter, Live Longer
Hinter dem Titel verbirgt sich ein wirklich gut recherchiertes Stückchen Literatur. Die Autorin hat sich sehr intensiv mit so ziemlich allem beschäftigt, was als Mythen des Sports eingegangen ist. Hier mal die Stichworte Training, also Aufwärmen, Dehnen, Trainingsabläufe, Muskelaufbau/Fettabbau, Sporternährung, Bekleidung (naja, also insbesondere Schuhe), Genetik, Epigenetik, Altern. Insbesondere der erste Teil des Buches räumt ziemlich gründlich mit vielem auf, was uns in der Schule über „richtiges Trainieren“ beigebracht wurde, denn sportartabhängig muss man a) nicht ewig lang erwärmen (weil es einen nicht schneller macht und auch nicht besser) b) nicht ewig viel dehnen (insbesondere Läufer nicht, dann verringert sich nämlich die verfügbare Kraft. Man könnte einen Vergleich mit ausgeleierten Federn anstellen). Außerdem sind c) die einzigen Sportgetränke die wirklich funktionieren fettarme Schokomilch und alkoholfreies Bier (mit alkoholhaltigem wurde einfach keine Studie durchgeführt) und d) gibt es weder den idealen Laufschuh, noch die perfekte genetische Ausstattung, die uns zu Supersportlern machen könnte.
Was mich sehr beeindruckt hat, war die genau die anschauliche und wissenschaftlich nachvollziehbare Erklärung für genetische Veranlagung (jedem sein Sport, bzw warum manche Leute gern und manche ungern Sport machen) und die Auswirkungen epigenetischer Veränderungen (Mutterleib und so). Natürlich paart sich auch hier altbekanntes, jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Menschen, die viel stehen (!) leben im Schnitt 1,8 Jahre länger als die, die sitzen. Was mich dazu bringt einen alten Plan zur Anschaffung eines Stehpultes wieder ins Auge zu fassen, dieser Artikel muss leider wegen der niedrigen Tischgröße im sitzen getippt werden.