Eigentlich wollte ich.. und dann fand ich das hier

Vor ein paar Tagen machte ich mir so ein paar Notizen, weil ich was über diese absurden Challenges schreiben wollte. Leute, die Cola und Mentos trinken und dann das gleiche machen, was eben so eine halboffene Flasche macht (ich erspare Euch Videos) oder Leute, die einen Haufen Zimt essen und dann einen Lachkrampf bekommen (auch hier gibts keine links zu Videos). Eine Freundin meinte, das mit dem Lachen läge an der Kompensierung dessen, dass das wirklich eklig ist, nämlich, dass einem der Mund totak austrocknet, man nicht atmen kann und einem schlecht wird… die Bandbreite eben.
Dann gibt es natürlich noch diesen entfärbeversuch von Cola mit Milch (für den ich noch keine befriedigendere Lösung als Komplexbildung mit Milchproteinen oder Schwammprinzip ähnlich Aktivkohle). Ja, darüber wollte ich schreiben. Und bin aber vor lauter Klicken hierüber gestoßen:

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Daher gibt es zoszusagen schonwieder nur ein Video aus dem man was mitnehmen kann. Also was nützliches. Warum ein fester Händedruck wichtig ist, zum Beispiel oder warum sich eine stressige Arbeitsumgebung so auf uns auswirkt, wie sie es tut. Allemal besser, als Cola und Mentos finde ich.

Warum aus Journalisten keine Biohacker werden und worauf es ankommt

Vor ein paar Tagen hat mir ein neuer Bekannter das Buch Biohacking von Charisius, Karberg und Friebe in die Hand gedrückt mit den Worten: Musst Du lesen, das ist soo cool, was die machen. Ich drücke mich seit Jahren, genauer: seit 2007 um eine Meinungsäußerung aber dieses Buch ist so dermaßen reißerisch geschrieben, dass ich das Gefühl habe, diesmal nicht umhin zu kommen.

Ok, das Buch ist cool. Die Journalisten haben solide recherchiert und auch ein Biologie lernt hier wichtige und interessante Dinge, zum Beispiel beim Thema „wer hats erfunden“ (PCR, Pipette). Zum Beispiel auch bei ganz praktischen Lösungen, die sich die Biohackerszene so ausgedacht hat (Schnellkochtopf als Autoklav). Außerdem findet man Namen und links zu Plattformen, die interessant sind, zu Leuten, die tolle Ideen haben. Warum also nervt mich dieses Buch von der ersten bis zur letzen Seite?

Da ist einmal die scheinheilige Argumentation. Erst wird mit Pseudoexpertenwissen geprotzt und damit, dass ja JEDER ALLES im Internet finden kann, also auch die drei, die hier zwei Jahre Experimentierarbeit reingesteckt haben: wenn es aber um die Fehleranalyse nach dem Misserfolg geht, dann will es wieder keiner gewesen sein. Dann heißt es wieder: Wir sind ja nur Laien, wir haben das ja nicht studiert, wir haben ja sowas von keine Ahnung und wollen es auch nicht wissen. Leute, so läuft das nicht. Wenn ein Biohacker ernst genommen werden will, dann muss er auch in vollem Umfang Verantwortung für das übernehmen, was er produziert, im Guten, wie im Schlechten. Dann kann man sich nicht rausreden, denn das verbietet die gute wissenschaftliche Praxis, unter der auch Biohacker arbeiten sollten. Die Scheinheiligkeit gilt  auch für die Darstellung der Rechtslage und die Frage, wann sich Das Gentechnikgesetz mit anderen Gesetzen beisst. Ja, die Situation in den USA ist einfacher, ohne Frage. Aber sich rechtliche Rosinen rauszupicken um einen Gesamtvorgang zu beschreiben, wie im Buch geschehen stinkt nach einer voreingenommenen Diskussion. Und hey: Ihr seid doch Biohacker, Ihr seid doch sicher unbiased, nicht?

Zum Zweiten bin ich überzeugt davon, dass die Autoren zumindest, was ihren Rizinversuch angeht, Blödsinn erzählt haben. Wenn man diesem einen Paper aus den 80ern (googlesuche von 2 min) glauben schenkt und dem, was die Autoren in ihrem Buch schreiben, haben sie versucht, eine PCR zu einem ca 2000 bp großen Stück DNA zu etablieren. Und dann haben sie auch irgendwas gesehen, aber was? Ein Größenabgleich wird nicht beschrieben, nur, dass der erste Versuch schief ging. Welche Größe habt Ihr gesehen? Wenn Ihr Transparenz der Wissenschaft fordert, seid auch Ihr gefordert, diese zu leisten.

Außerdem das mit der Genauigkeit: könnte es sein, dass mehrere Leute aus dem Kontext heraus falsch zitiert werden? So als genau recherchierende Journalisten, die Ihr wissenschaftlich arbeiten wolltet? Was ein Otto-Normal-Molekularbiologe unter angewandter Gentechnik versteht ist jedenfalls im Sprachjargon etwas anderes, als im Gesetz steht und hier Sagen und Meinen richtig zu interpretieren ist hier glaube ich nicht gerade glücklich gelungen.

Daneben wird mir entschieden zu viel mit diesen sexy-Schlagwörtern herumgeworfen: Ohgottohgott, grusel Biowaffen. Oder: Yeahyippie wir sind ja soo innovativ (aber vielleicht liegt diese Attitüde an Berlin?).Oder:  Hilfehilfe-Überwachung FBI. Es ist mir schon klar, dass das Buch verkauft werden soll und so ein Rant, wie ich ihn hier schreibe wird eher verkaufsfördernd sein, als hinderlich. Dennoch: muss das sein? Das ist, als würdet Ihr mir die Zeitung mit den großen Buchstaben verkaufen wollen. Und ebenso undifferenziert.

Um cool zu sein, wird dann schonmal gerne mit einschlägigen Kultautoren und Filmen um sich geworfen. Nur von Gibson, von Egan, von Stephenson, die auch hier die Standardliteratur geschrieben haben lese ich nichts. Wie genau nochmal habt Ihr recherchiert?

Und dann die Sache mit dem Supergau. Nach Ansicht der Autoren ist dass der Bioterrorismus (noch so ein Wort) und der Vergleich mit den Antraxsporen fehlt natürlich nicht. Aber an diesem Punkt sind wir eben auch noch lange nicht beim Biohacken, denn wie richtig beschrieben, geht es derzeit viel um Methodenentwicklung abseits großer Geldbeutel (eine absolute Notwendigkeit) und das Nachkochen von Ergebnissen aus den 80ern und 90ern. Der Supergau ist eher begründet in einer mangenlden Folgenabschätzung, wenn mal was klappt. Dass man zum Beispiel DEN Superantikeim gegen einen Pflanzenparasiten findet und einsetzt. Was passiert ist, dass man massiv in das biologische Gleichgesicht eingreift, ähnlich wie es in der Vergangenheit mit Chemikalien passiert ist (Beispiel DDT). Nur dass sich erfolgreiche Biologie durchsetzt und man den Prozess nicht durch Verbote ungeschehen machen kann. Wer sagt denn, dass besagter hypothetischer Parasit nicht für irgendeine biologische Nische essentiell ist? Hier den Fokus allein auf die großartigen Chancen zu setzen ohne Vorbildung unter Notwendigkeit einer wirklich verantwortungsvollen und nachhaltig denkenden Sichtweise  halte ich für falsch.

Genug gemeckert. Denn eines ist richtig und wichtig für die etablierte, wie alternative Biowissenschaf. Es hakt mächtig in der Kommunikation zwischen „echten“ und Hobbywissenschaftlern in der Biologie, schon seitdem das Fach definiert wurde. Wissen und Technologien, vor allem aber Hintergrundwissen zum Thema Verantwortung, Nachhaltigkeit müssen besser kommuniziert werden, wenn aus Biohackern mehr werden soll, als eine Gruppe Leute, auf die „echte“ Wissenschaftler herabsehen. Denn an großartigen Ideen mangelt es nicht. Wettbewerbe, wie das Igem des MIT sollten auch in Europa verstärkt stattfinden können. Gläserne Labors gibt es zwar, aber viel zu wenig und die Idee von Gemeinschaftslabors, in denen abseits der alltäglichen Arbeitslandschaft geforscht werden kann ist eine der besten, die mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Wissenschaftler und Hacker sollten enger zusammenarbeiten können. Dazu muss ein Umdenken in den Köpfen derjenigen stattfinden, die glauben, Wissenschaft sei eine Frage von Institutsugehörigkeit und Geld. Die an die Instutionalisierung von Wissen glauben. Die Welt dreht sich weiter und Biohacker werden ihren Platz verteidigen und ausbauen, wenn auch sicher nicht, wie in Biohacking beschrieben.

Mensch und Maschine

Neulich vergaß ich mein Essen über einer Diskussion, ob es irgendwann eine KI gibt, die man mit einem Menschen vergleichen kann, die Träume und Emotionen hat, ob Mensch und Maschine immer getrennt bleiben werden oder und das glaube ich ja, der Weg in Richtung Verschmelzung von Mensch und Maschine gehen wird. Hier mal einige links zu bereits bestehenden Beispielen: Das Cochleaimplantat, das Retinaimplantat, der Typ mit der Kamera im Auge, das Exoskelett, Fingerprothesen, mit denen man jonglieren kann…

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Inzwischen gibt es auf dem Markt unglaublich viele Beispiele, die offensichtlichsten vielleicht bei den Paralympics sichtbar, wo mit den dortigen Beinprothesen Geschwindigkeiten erreicht werden können, von denen „normale“ Körper nur träumen. Also meine These: Wenn es einen Vorteil für die Verschmelzung von Mensch und Maschine gibt, dann wird auch gesunden Menschen irgendwann eine Anwendung angeboten werden. Zum Beispiel um Sprachen zu sprechen, ohne erst den Umweg über mühsames Lernen zu gehen. Ideen dazu gibt es seit Adams (Babelfisch) und Gibson (Chipschnittstelle). Zum Beispiel um einen Zugriff auf Datenbanken zu haben, ohne auswendig lernen zu müssen. Genug Menschen betrachten ja inzwischen ihr Smartphone als externes Hirn, das sie schnellstmöglich auf Stadtpläne, Hintergrundinformation, Zeiten und Orte zugreifen läßt. Der Schritt von dem zur Googlebrille zu einer direkten Vernetzung ist nicht so weit entfernt, wie man denkt, Kakerlaken lassen sich inzwischen gut verkabeln und ja: fernsteuern. Wo wir beim Problem wären, das neben der ständigen Überwachung zum tragen kommen könnte: Wer schützt den Anwender davor, ferngesteuerter Sklave anderer zu werden, wenn er doch eine Schnittstelle ins Netz (oder zu einem Chip) haben wird, die einen externen Zugriff erlaubt? Man denke nur an die allgegenwertigen virenverseuchten USB-Chips. Nicht auszudenken, was mit UNS geschehen würde! Das würden sicher mehr als einige schreien. Ich glaube trotzdem, dass der weg letztlich in diese Richtung weist und – to cross the bridge, when we come to it- es ist ja nicht ausgeschlossen, dass es auch eine Möglichkeit geben wird, seine Persönlichkeit gegen technische Angriffe von aussen zu schützen.

Wissenschaft und der arabische Frühling

Heute morgen habe ich wirklich überlegt, ob ich jemals eine Veröffentlichung in der Hand hatte, die im mittleren Osten entstanden ist. Nein, Israel zählt hier mal nicht und auch die Universität von Ramallah würde ohne europäisches Geld nicht funktionieren, insofern mache ich hier auch einen cut. Davon abgesehen, dass die Länder der arabischen Halbinsel zum Teil in Geld schwimmen, zum Teil eigentlich Teil einer jahrtausendelangen wissenskultur sein sollten: Araber und Wissenschaft scheinen in den entsprechenden Ländern nicht zusammenzugehen. All das scheint nach dem 13. Jh, nach den letzten großen wissenschaftlichen Fortschritten zusammengebrochen zu sein. Kein Wunder das viele Wissenschaftler arabischer Abstammung große Hoffnungen in den arabischen Frühling setzten. Das war 2011, auch noch 2012. Inzwischen versinken die Länder, die es betraf wieder in Lethargie, keine Spur von der Hoffnung auf Besserung ist geblieben. Wie auch, wenn es in allen Ländern scheint, als würde jetzt eine strengere Doktrin als vorher herrschen? Auch in Saudi-Arabien, das ja nach aussen von den Ereignissen völlig unangetastet scheint, nimmt sich Wissenschaft als nicht mehr als Inseln in der Wüste aus. Schade, schade möchte man da sagen. Ab und zu kommt dann jemand und schreit öffentlich auf. Nur schreien allein hilft nicht, wenn die Kultur der Länder nicht zuläßt, das gebildete Menschen im Land bleiben. Wer es sich leisten kann verschwindet.